Ein Auslandssemester eignet sich nicht nur dafür, neue Erfahrungen zu machen, sondern auch die bereits gemachten Erfahrungen und getroffenen Entscheidungen zu überdenken. Aber wer hat gesagt, dass das einfach wäre?

Dieser Blogbeitrag ist für alle, die auch mal zweifeln und denen es zu wissen hilft, dass sie da nicht die einzigen sind.

Vielleicht gehöre ich einfach zu der zweifelnden Sorte oder etwas in der Richtung. Auf jeden Fall habe ich in den fünf Wochen, die ich schon hier in der Schweiz bin, immer mal wieder darüber nachgedacht, wie es denn konkret nach dem Bachelor weiter gehen soll. Und wenn ich mich umhöre, so bin ich nicht die einzige. Wir Austauschstudierende sind im Schnitt in unserem 5. Semester und nicht mehr so furchtbar weit weg vom Bachelor. Da sollte man sich wohl auch mal Gedanken machen. Doch was, wenn diese Gedanken einem nicht sagen: Genau das, was du gerade machst, ist der richtige Weg?
Abgesehen davon, dass ich längst aufgegeben habe, an den einen richtigen Weg zu glauben.
Was ist einer der Wege, die einem am ehesten zusagen könnten?
Hier in der Schweiz bin ich zumindest ein gutes Stück von meinem Alltag in Deutschland entfernt- Soziologie statt Politik, viel weniger Sport oder ewig lange Fahrtzeiten, die mir die Zeit rauben. Anders gesagt: Die Möglichkeit, mal verschärft drüber nachzudenken, was ich tun will. Allerdings…

  1. Ich mag studieren nicht so wahnsinnig, das weiß ich jetzt seit ungefähr vier Semestern.
  2. Politik find ich ziemlich interessant, meine Dozenten waren aber fast alle furchtbar langweilig und so finde ich Soziologie fachlich interessanter.
  3. Es scheint jedoch, als ob meine Noten in Politik etwas besser sind als in Soziologie – bin ich womöglich in Politik besser, auch wenn mich Soziologie mehr interessiert? Da fehlt mir leider noch eine ausgeprägtere Möglichkeit zum Vergleich.
  4. Selbst wenn ich Soziologie weiter studiere und einen Job finde, so wird dieser vor allem Statistiklastig sein und ich meine Brötchen mit dem von meinem Studienfach verdienen, was ich am schlechtesten kann und was mich am wenigsten interessiert…

Am Mittwoch habe ich ein Bewerbungsgespräch für ein Praktikum fürs Frühjahr und zur Not noch eines kurz vor Weihnachten. Gehen wir also mal davon aus, dass ich es schaffe ein Praktikum zu kriegen – dann kann ich Anfang nächsten Jahres rausfinden, ob der Bereich, in dem ich eine mögliche berufliche Zukunft sehe, mir auch zusagt. Doch was, wenn nicht? Einfach weiter studieren? Den Master machen und hoffen, dass sich schon was finden wird?
Eine Ausbildung stattdessen? Auch wenn man sich als Bachelorabsolvent schon irgendwie überqualifiziert vorkäme… oder etwas ganz anderes studieren?
Ich habe keine ökonomisch wertvollen Talente und schon dreimal keine, von denen man gar leben könnte. Wenn ich mir durchlese, was es für Ausbildungen gibt, interessiert mich das eigentlich alles nicht oder ich weiß, dass es wichtige Elemente beinhaltet, in denen ich schlecht bin/ die mir absolut nicht liegen.

Also, wie eine Entscheidung treffen?