„Tag der Vergeltung“ ist kein Buch für schwache Nerven aber für jeden Thriller Fan geeignet, der es nicht ganz so hart braucht.

Die junge Adinka Regev, kurz Adi, wird nachts auf offener Straße vergewaltigt.
Schnell ist jemand gefunden, der der Täter sein könnte. Ziv Nevo, ein nervöser junger Mann, der offensichtlich etwas zu verbergen hat und für die Tatzeit kein Alibi hat. Zudem hat er sich in der Tatnacht in der Nähe aufgehalten und wird kurz darauf von Adis Vater nachts vor ihrer Wohnung beim Nachstellen einer jungen Frau erwischt.
Doch nach und nach verdichten sich die Hinweise, dass jemand anders der Täter sein könnte, doch nach einem, durch die Medien aufgebauschten Patzer des ermittelnden Kriminalkommissars Eli Nachum, verliert dieser seine Stelle und niemand will auf ihn hören, denn das ganze Revier ist von Ziv Nevos Schuld überzeugt. Kurz darauf wird eine zweite Frau vergewaltigt.

„Tag der Vergeltung“ wird definitiv nicht mein letztes Buch von dieser Autorin gewesen sein!
Am Anfang fand ich die Perspektive der alten Frau überraschend, aus der die Erzählungen der Geschichte beginnen, und bis zum Ende des Buches habe ich bei jedem Perspektivwechsel ein wenig gebraucht, um herauszufinden aus wessens Sicht denn nun geschrieben wird (insgesamt waren es vier oder fünf Perspektiven), aber das wurde meistens sehr schnell klar.
Der Schreibstil der Autorin macht es dem Leser zudem sehr schwer, einfach aufzuhören und die Geschichte zu verlassen.
Das Thema, Vergewaltigung, ist definitiv kein leichtes und als Frau wird man damit ja doch öfters konfrontiert, sei es durch Berichte, Aufkleber in öffentlichen Toiletten oder sonst wo und es ist schwer, das Thema mit dem nötigen Respekt zu behandeln, ohne gleich ein Drama draus zu machen, doch das ist Liad Shoham ausgezeichnet gelungen.
Da es ein sensibles Thema ist, fand ich es gut, dass sie, anders als in vielen von Männern geschriebenen Thrillern die Taten nicht ausführlich beschrieben hat.
Die Figuren die sie erschaffen hat sind vielfältig, menschlich und authentisch, gerade weil sie alle Fehler machen, verzweifeln oder so überheblich und zugleich ängstlich sind, wie sie es nun mal sind. Zusammen mit der spannend erzählten Handlung entsteht eine sehr ansprechende Mischung, die einen trotz ihres „schwierigen Themas“ nicht loslässt.
Allerdings geht es ja nicht nur um das Schicksal der zwei Frauen sondern auch darum, wie Ziv Nevo unfreiwillig Teil einer kriminellen Organisation wurde, die ihm nun im Nacken sitzt und seine Familie bedroht.
Zudem wird sehr beiläufig teilweise die Kultur Israels mit eingebracht, was mir ebenfalls gut gefallen hat.
Tag der Vergeltung ist ein sehr kurzweiliges aber ausgesprochen eindringliches Buch, dass ich jedem mit einer etwas dickeren Haut nur weiterempfehlen kann.

Tag der Vergeltung | Liad Shoham | 349 Seiten | 9,99€ | DuMont Verlag