Fanny hat die Schule abgebrochen und macht nun ein Jahrespraktikum in einem Hotel, dass alle nur das Wolkeschhloss nennen. Zuerst scheint alles friedlich, doch kurz vor Neujahr häufen sich merkwürdige Ereignisse.

Handlung

Wie alle Protagonistinnen aus Kerstin Giers Jugendbüchern ist auch Fanny circa sechzehn, siebzehn Jahre alt und hat eine Gruppe nerviger Mädchen, die ihr das Leben schwer machen, in diesem Fall Mädchen aus Lausanne, die International Hospitality Management studieren und sie verächtlich nur „Prakti“ nennen. Zudem gibt es einen süßen Jungen, in diesem Falle den Jungen des Hotelbesitzers, Ben, und eine unsägliche Nervensäge, Don Junior, gegen den selbst Xemerius aus der Edelsteintrilogie harmlos wirkt. Zudem gibt es noch einen weiteren Jungen, der Fanny sehr mag, Tristan. Er liebt es, Fassaden hoch zu klettern und erklärt Fanny eines Tages, dass er und sein Großvater ins Hotel gekommen sind, um einen antiken Schatz wieder zurück in den Tempel zu bringen, in den er gehört. Das klingt verrückt, doch kaum verrückter als die Absicht von Bens Vater, dass Wolkenschloss an Don Juniors skrupellosen Vater zu verkaufen, der schon jetzt den Golf Shop im künftig umgebauten Hotel plant.
Und was hat es eigentlich mit dem Bodyguard der russischen Oligarchen auf sich, der sich stets so unauffällig wie ein Schatten bewegt?

Meine Meinung

Die ersten hundert Seiten des Buches, also gut ein Viertel, bestanden hauptsächlich aus einer Einführung in die Personen. Sie geben dem Leser die Möglichkeit, Sympathien zu entwickeln, sich zu entscheiden, ob Tristan oder Ben besser zu Fanny passt und versteckte Ecken des Wolkenschlosses kennen zu lernen. Bis zu dem Zeitpunkt etwa passiert nicht allzu viel, dass allzu außergewöhnlich wäre, doch kurz darauf entwickelt sich eine Art Krimi, bei der Tristan stets mit einer überraschend plausiblen und doch abwegigen Erklärung für die Geschehnisse um die Ecke kommt.
Zum Ende des Buches hin überschlagen sich die Ereignisse noch einmal und man erfährt, wer wirklich welche Rolle spielt und mit was für Absichten diese Person ins Wolkenschloss gekommen ist, was weder ungefährlich, noch undramatisch bleibt.
Mir persönlich war dieser Sprung etwas zu viel und ich fand es etwas langweilig, dass sich Tristans Theorien eigentlich immer als korrekt herausstellten (sorry für den Spoiler, aber das ist wichtig für die Bewertung).
Fanny erinnert sehr an Gwendolyn und Liv, ebenso die äußeren Umstände, die genau dieselbe Art Mädchen nur in eine andere Geschichte versetzt. Wer damit kein Problem hat, wird sicher Gefallen an ihr finden, mir war das allerdings etwas zu sehr von sich selbst kopiert.
Ebenso sind fast 100 Seiten ganz schön lang, nur um die Figuren vorzustellen, wenngleich diese natürlich, wie üblich, ziemlich groß gedruckt sind. Wenn es schon so eine lange Einführung geben muss, die zwar eine schöne Atmosphäre aufbaut, dann sollte die weitere Entwicklung nicht so Knall auf Fall und mit teilweise ziemlich konstruiert wirkenden Wendungen daherkommen, die übrigens die Atmosphäre nach und nach etwas kaputt machen.

Fazit

Das Wolkenschloss ist definitiv hübsch anzusehen, sein Inhalt konnte mich jedoch nicht überzeugen. Schade!

Wolkenschloss | Kerstin Gier |  464 Seiten | 20€ | S. Fischer Verlage