Sagt euch Oberst Westphal etwas? Nein, aber bestimmt Oberst Klein, der 2009 Tanklaster im Kundus bombadierte, was politisch ein Desaster war.
Wer die Hunde weckt ist zwar kein historisches Buch aber durch die Realität inspiriert, wie in relativierender Form zu Beginn und Endes des Buches verraten wird.

Inhalt:

Die Handlung des Buches lässt sich ziemlich kurz zusammenfassen: Ein deutscher Oberst befiehlt amerikanischen Armee-Fliegern, Tanklaster am Taloqan River zu bombadieren, wobei hauptsächlich Kinder sterben. Das Ganze ist Teil eines Plans, der politisch und menschlich ziemlich fragwürdig ist.
Zur gleichen Zeit soll David, der bei der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ arbeitet, über die Geschehnisse in Afghanistan berichten. Da er jedoch in Hong Kong einen Unfall mit einer CIA-Agentin hat, die zu viel wusste, verpasst die Zeitung ihre große Chance und gerät unter Erwartungsdruck.
Im Laufe des Buches offenbaren sich immer mehr Hintergründe, sowohl in Bezug auf den Angriff, als auch in Bezug auf das Verhältnis der verschiedenen Personen zueinander.

Meine Meinung:

Offensichtlich wurde die Realität als Inspiration genutzt, jedoch vielfältig abgeändert, um keinen Wahrheitsanspruch mehr erfüllen zu müssen. Dass ihm jemand unzureichende Recherche, üble Nachrede oder dergleichen unterstellen könnte, trat im Vor- und Nachwort des Autors deutlich hervor. Auf mich wirkte das ein wenig ängstlich und war irritierend. Wer sich ein solches Thema aussucht, um darauf seinen Roman aufzubauen, sollte sich doch auf gute Recherche stützen können und damit auf der sicheren Seite sein? Abgesehen davon, wurden selbst einige der Kernfakten des Luftangriffs von 2009 im Buch so verändert, dass zwar die Parallelität, aber auch die Andersartigkeit deutlich zu Tage tritt.

Von der literarischen Hochspannung, die auf der Rückseite angepriesen wurde, habe ich persönlich nicht allzu viel gemerkt. Wer die Hunde weckt, ließ sich nichtsdestotrotz gut lesen und war auch der „Verstrickungsebene“ gut konstruiert, insgesamt aber ein eher mittelmäßig spannendes Buch.
Was mit der Formulierung „Schon gar nicht gibt es in Deutschland (bislang) eine seriöse überregionale Tageszeitung, die eine Chefredakteurin an ihrer Spitze hat“ gemeint sein soll, bleibt offen. In meinen Leserinnenohren klingt diese Formulierung nicht gerade bedauernd.  Das Frauenbild in dem Buch wäre nochmal eine nähere Betrachtung wert, würde an dieser Stelle allerdings zu weit führen.
Da die Figuren zwar fiktiv aber sicherlich realitätsinspiriert sind, bewerte ich sie an dieser Stelle nicht, wie ich es sonst mit Romanfiguren tue, da der Faktor der absoluten Erfundenheit fehlt.

Fazit:

Der Klappentext verspricht leider mehr Spannung, als tatsächlich aufkommt.

 

Wer die Hunde weckt | Achim Zons | 399 Seiten | 14,95€ | H.C. Beck Verlag