Dass das aktuelle politische System in, eigentlich egal welchem Land, nicht perfekt ist, dürfte den meisten von uns wohl bewusst sein. Doch wie sähe ein utopisches Land des Glücks und der Gerechtigkeit aus?

Das Buch

Utopia teilt sich eigentlich in 2 Bücher. Im ersten werden Morus und einige weitere Personen quasi als Gesprächspartner eingeführt, sowie ein Freund von ihnen, der im Land Utopia fünf Jahre lang gelebt hat. Über die Gesprächspartner erfährt man quasi nichts, dafür wird auf 70-80 Seiten dargelegt, wieso das politische System Englands (Mitte des 16. Jahrhunderts) weder gut noch gerecht ist und wie es die Verbreitung von Armut quasi selber immer weiter vorantreibt.

Das zweite Buch beschreibt dann wirklich das Land Utopia, in dem alles nach festen, natürlich erscheinenden Regeln abläuft, Gemeinwesen groß geschrieben wird und kein Privatbesitz existiert. Es scheint ein sehr tolerantes Land zu sein, dass Reichtum und Prunk abgeschworen hat und stattdessen Werte wie Fleiß und Fürsorge in den Fokus stellt.

Meine Meinung

Ganz ehrlich: Das komplette erste Buch kann man sich meiner Meinung komplett sparen. Es ist eher langatmig geschrieben und mehr wie eine Aufzählung. Beide Bücher sind zwar quasi kaum unterbrochene Monologe, doch im ersten Buch gibt es weder Kapitel noch irgendwelche Absätze, was einem das Gefühl gibt, man müsste es quasi in einem Rutsch lesen, was dann doch etwas anstrengend wäre. Sicher, als LeserIn erfährt man mehr über die Ungerechtigkeiten des Englands im 16. JH aber wirklich neu dürfte das für die meisten nicht sein.

Im zweiten Bucht geht´s dann endlich um das, weswegen die Entscheidung, das Buch zu lesen wohl gefallen ist. Mit Absätzen, die die Beschreibungen der verschiedenen Organisationsbereiche (Handel, Religion, Wohnen usw.) voneinander abgrenzen ist es zum lesen schon einmal etwas angenehmer. Nichtsdestotrotz ist es quasi eine beschreibende Aufzählung von Anfang bis kurz vor Ende.
Viele der Werte muteten entweder kommunistisch an oder sind teilweise fast eins zu eins so in der Bibel beschrieben. Für westliche Gemüter dürfte wenig neues dabei sein, zu Zeiten von Morus müssten sich Bibelkundige aber auch gefragt haben, ob er nicht einfach genau das beschreibt, was die Bibel teilweise an Werten hochhält und zu vermitteln versucht.
Wirklich innovativ fand ich also nichts an Utopia und ganz ehrlich: Für mich klang es eher nach Zangskollektiv und Big Brother is watching you und Gleichberechtigung der Geschlechter oder eine Abschaffung der Sklaverei sucht mensch in Utopia ebenfalls vergebens.

Fazit

Ein langer Monolog der im Prinzip nur einen Staat vorstellt, der eben nach Idealvorstellungen funktioniert, ohne konkrete Transformationsideen zu liefern. Schade.

 

Utopia | Thomas Morus | 320 Seiten (etwa 100 davon entfallen auf den Anhang) | 22,00€ | Manesse Verlag (Randomhouse) – Rezensionsexemplar

Originaltitel: Utopia