Was haben Familien- und Sozialstrukturen mit wirtschaftlichen Entwicklungen seit der Steinzeit zu tun? Sind manche Länder wirklich so rückständig und frauenfeindlich wie wir glauben?
Das Buch

In Traurige Moderne – Vom Homo Sapiens bis zum Homo Americanus beleuchtet der französische Soziologe vor allem die Entwicklung von Familienstrukturen und analysiert mithilfe dieser Erkenntnisse die wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten 200-300.000 Jahre. Dabei geht er immer wieder auf verschiedene Länder besonders ein, generell liegt der Fokus aber entlang der Verbreitung der Menschheit von Afrika aus nach Europa, Asien und später auch Amerika. Die deutsche Fassung hat hierbei einen  Fokus, beziehungsweise „einen besonderen Akzent“ auf die Dynamik der angloamerikanischen Welt  seit dem 17. Jahrhundert. Zudem stimmt der Autor mit der deutschen Historischen Schule der Nationalökonomie insofern überein, als das in den Tiefenschichten der sozialen Strukturen nach den Ursachen für ökonomische Schwierigkeiten gesucht wird.

Meine Meinung

Natürlich ist das Buch nicht wirklich auf Spannung ausgelegt und auch in der Übersetzung merkt man deutlich den etwas komplizierteren Satzbau, den wissenschaftliche Sprache und das Französische (gefühlt jedenfalls) häufig mit sich bringen.

Nichtsdestotrotz drückt sich der Autor relativ verständlich aus, wobei manchmal die Übersicht der Erklärungen (z.B. eine Begriffsübersicht) erst nach einer ganzen  Weile des regen Benutzens der selbigen kommt, was eher unpraktisch ist. Ich würde jetzt nicht sagen, dass man selber Experte in der Soziologie, Ökonomie oder Geschichte sein muss, um den Buch folgen zu können, aber leichte Unterhaltungskost ist es sicher nicht. Wer in der Uni gut mit den Texten klar kommt oder in der Schule in Philosophie, sollte das Buch verstehen können, auch wenn es, wie gesagt, manchmal etwas sperrig formuliert ist.
Generell fand ich es sehr spannend etwas über den Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Sozialstrukturen und fand die Analysen und Ergebnisse des Autors auch recht einleuchtend, so dass das Buch für mich definitiv einen Gewinn darstellt. Schwierig hingegen war es, den langen Atem für die früheren Jahrtausende zu behalten, bis man endlich in der Moderne ankommt, die mich persönlich eigentlich am meisten interessiert hat.

Fazit

Eine nicht immer leichte aber lohnende Lektüre, die selbst so neue Ereignisse wie die letzten Bundestagswahlen nicht nur mit einbezieht, sondern auch zu erklären vermag. Definitiv interessant!

Traurige Moderne – Eine Geschichte der Menschheit von der Steinzeit bis zum Homo Americanus | Emmanuel Todd | 504 Seiten (inkl. Vorwort, exkl. Anhang) | C.H. Beck Verlag |

29, 95€ – Rezensionsexemplar

Zur Leseprobe:  Inhaltsverzeichnis + Einführung