39kg, über 1,70m. Laure steht kurz vor dem Tod, doch ein Doktor versucht sein Bestes, sie zu retten.

Das Buch

Tage ohne Hunger ist wie sich am Ende des Buches herausstellt ein Bericht, den Laure während ihrer Zeit im Krankenhaus geschrieben hat. Sie berichtet über den Alltag, wie sie sich selber aber auch die anderen PatientInnen auf der Station für Essgestörte wahrnimmt und was sie in ihrer Vergangenheit geprägt hat. Wir erfahren, dass die Mutter von Laure und ihrer Schwester Louise selber schwere psychische Störungen hat und dass der Vater seine beiden Töchter ständig beleidigt hat. Eine Affäre mit einem Lehrer hatte Laure einst ebenso wie Schuldgefühle, Laure bei ihrem Vater zurück gelassen zu haben, als sie zum Studium nach Paris ging.

Doch Laure schreibt vor allem auch über das Gefühl des Hungers, über Leichtigkeit und das Zusammenbrechen auf der Straße vor Schwäche. Ebenso über das Gefühl, wie sie immer mehr Fett ansetzt, wie sie droht überzuquellen, während die Ärzte sie mittels einer Ernährungssonde versuchen auf 50kg zu bringen.
Nicht immer ist alles logisch zusammenhängend, die Geschichte besteht vor allem aus Fragmenten, die allerdings in sich schlüssig sind und zusammen ein Gesamtbild ergeben.

Meine Meinung

Tage ohne Hunger ist mein zweiter Buch von Delphine de Vigan und mitnichten das erste Buch was ich über Magersucht gelesen habe. Der Schreibstil von de Vigan war wieder etwas gewöhnungsbedürftig und ich fand es schade, dass man zwar die Geschichte von Laure erfährt und wie sie zum Hungern kam, aber letztlich trotzdem das Gefühl entsteht, man habe sie nicht richtig kennen lernen können.
Mir persönlich kam es zu einfach vor, dass schon recht schnell zu Beginn sehr deutlich klar wird, was die Auslöser für Laures Anorexie sind, so einfach ist es ja meistens nicht.
Abgesehen davon war die meiste Zeit über für mich nicht klar, ob Laure jetzt dafür kämpft, wieder essen zu können oder darum, sich ihre Willenskraft zu Hungern zu bewahren. Das Ende gibt darauf so etwas wie eine Antwort, jedoch fand ich es total unbefriedigend, weil es so extrem kurz gehalten war.
Ich bin mir auch noch nicht sicher, was ich von den wahnsinnig viel Platz einnehmenden Kapiteltrennern halten soll
Insgesamt hatte ich das Gefühl, eine Geschichte zu lesen, zu der mir der Schlüssel für einen vollkommenen Einstieg nicht gegeben wurde.
Hingegen sehr erstaunlich finde ich es, wie zeitlos das Buch geschrieben ist. Dass es von 2001 ist, merkt man beim Lesen nur an kleinen Details.

Mein Fazit

Auf der einen Seite hat es sich Delphine de Vigan in meinen Augen zu einfach gemacht, die Gründe zu schnell und eindeutig erklärt, auf der anderen Seite fehlen nichtsdestotrotz Puzzlestücke, um alles wirklich verständlich erscheinen zu lassen.

 

Tage ohne Hunger | Delphine de Vigan | 176 Seiten | Dumont Verlag – Rezensionsexemplar

Originaltitel: Jours sans faim