London, im 19. Jahrhundert, in einer Welt, in der sich deine dunklen Gedanken in Form von Rauch manifestieren…

… in dieser Welt leben Charlie, Thomas und noch Millionen anderer Menschen. Die Adligen, die aufgrund großer Selbstdisziplin kaum rauchen, gelten beinahe als Heilige, das gemeine Volk hingegen versinkt in seiner eigenen Sünde.

Inhalt:

Charlie und Thomas leben in einem Eliteinternat, das ihrem Charakter den letzten Schliff geben soll. Regelmäßig prüft der Schulsprecher Julius, den noch nie jemand hat rauchen sehen, seine Mitschüler und treibt sie zum Rauchen.

Mit der Zeit finden die Jungen jedoch heraus, dass hinter dem Rauch und einer merkwürdigen Bonbon Lieferung für ihre Schule eine große Verschwörung steckt. In ebenjene ist auch Thomas Tante verstrickt, die ihn und seinen einzigen Freund Charlie über Weihnachten einlädt. Dort erfahren die beiden vom wahren Ausmaß des Rauchs, seinem Ursprung und den mal mehr, mal weniger finsteren Absichten der Erwachsenen, denen sie bisher vertrauten.

Meine Meinung:

Zu Beginn hat es mich verwirrt, dass die Kapitel mal aus der Ich-Perspektive des jeweiligen Charakters geschrieben waren und mal aus der dritten Person. Erkennen konnte man es allerdings daran, ob ein Name die Kapitelüberschrift war oder so etwas wie beispielsweise „Prüfung“.
Dadurch, dass immer wieder aus der Perspektive oder mit dem Fokus auf einer anderen Figur erzählt wird, lernt man die Protagonisten gleichermaßen gründlich kennen und erhält so die Möglichkeit, jeden kennen zu lernen und zu verstehen, was mir persönlich sehr gut gefallen hat.
Ebenfalls schön fand ich die Zitate berühmter Personen, beispielsweise von Charles Dickens zu Beginn jedes Abschnittes, insgesamt wurde das Buch in sechs Abschnitte unterteilt.

Wie bei vielen Büchern, die in Parallelwelten oder auch Alternativen Welten spielen, gab es deutliche Anspielungen auf unsere „reale“ Welt. Relativ am Ende des Buches wird „Das Dschungelbuch“ kurz thematisiert, jedoch mit veränderter Handlung. Statt fortgeschickt zu werden, um bei Seinesgleichen aufzuwachsen und den Gefahren zu entgehen, die Shir Khan und Konsorten darstellen, muss Mogli den Dschungel verlassen, um zu lernen, wie er seinen Rauch bändigt.

Ich fand die Idee, „Sünde“ und schlechtes Verhalten sichtbar zu machen und auf die eine oder andere Art Kritik an unserer „echten“ Gesellschaft zu üben gut umgesetzt und meist auch sehr spannend zu lesen. Entsprechend an die Zeit, wurde auch die Sprache ein wenig angepasst, wodurch das Buch oftmals etwas älter wirkt, als es ist, ohne jedoch so sperrig in sprachlicher Hinsicht zu werden, wie man es noch von der ein oder anderen Schullektüre kennt.

Zwei Punkte gab es jedoch trotz allem, die mich gestört haben. (leichte Spoilergefahr)

Erstens: Die Dreiecksbeziehung von Livia, Thomas und Charlie. Ich hasse Dreiecksbeziehungen und fand es nicht notwendig, sie einzubauen. Wie sie endet hat mich wenig erfreut.

Zweitens: Das Ende des Buches insgesamt! Von Smoke wird es, meines Wissens nach, keinen zweiten Teil geben und das Ende ist in meinen Augen viel zu offen gehalten worden. Ich erwarte nicht, dass alles bis in die kleinste Ewigkeit aufgelöst wird, doch so wie Vyleta das Buch hat enden lassen, beschleicht einen das Gefühl, den Hinweis, wie es ausgehen sollte überlesen zu haben. (Spoilerende)

Mein Fazit (Spoilerfrei):

Smoke setzt eine sehr interessante Idee unterhaltsam und ansprechend um. Das Buch wartet mit sehr unterschiedlichen Charakteren auf, die sich alle auf die eine oder andere Art weiter entwickeln und so auch bestimmte Botschaften vermitteln. Die Parallelen zu unserer Welt waren manchmal etwas zu plump eingebaut für meinen Geschmack, nichtsdestotrotz hat mir die Kritik an manchen Missständen sehr gefallen.

 

Smoke | Dan Vyleta | 624 Seiten | 16,99€ | carl´s books (Randomhouse)