Stell dir vor, du könntest dich nicht bewegen. Alles, was du spürst ist der dünne Atemschlauch in deinen Mund. Und die Kälte, diese furchtbare Kälte, die dich droht umzubringen. Doch du kannst nicht sterben.

Mit diesem grauenhaften Szenario beginnt „Seele in Fesseln“, ein Psychothriller, der auf den ersten Blick wie ein ganz „normaler“ wirkt.
In Frankfurt wird zu Füßen der Justitia-Statue ein dürrer Mann gefunden, der umgebracht wurde- obwohl er an einem Tumor im Endstadium erkrankt war.
Kurz darauf wird eine von außen betrachtet völlig gesunde, wenn auch alte Frau ebenfalls tot gefunden.
Beiden Leichen wurde ein Schild gegeben, dass die Polizei auffordert: Sie MÜSSEN es verstehen. Ergänzt wird das Schild der alten Frau durch die Aufforderung, „sie gehen zu lassen“.
Was ist damit bloß gemeint und wer bringt alte Leute um, die so unterschiedlich dicht vor dem Tod stehen?
Gleichzeitig wird eine Frau in einem Loch festgehalten, mit einem Atemschlauch als einziger Verbindung zur Außenwelt. Sie weiß nicht wo sie ist, wer sie ist und was genau ihr gerade passiert.

Das Buch ist sowohl aus Sicht des Täters, als auch aus der Perspektive der ermittelnden Polizisten geschrieben, wodurch der Leser mit der Zeit eine Ahnung davon bekommt, worum es in dem Buch wirklich geht.
Grundsätzlich hält man „Seele in Fesseln“ lediglich für ein weiteres Buch, das die kranken Seiten der Menschheit zwischen zwei Buchdeckeln präsentiert.
Erst nach und nach wird klar, dass Patientenverfügungen und Sterbehilfe das eigentliche Thema des Buches sind.

Neben einer spannenden Thematik wartet das Buch mit sehr unterschiedlichen Figuren auf.
Die zwei wichtigsten sind der Täter und der Chef der Ermittlungen.
Der Täter ist ein alter Mann, überzeugt von der Richtigkeit und vor allem der Notwendigkeit seiner Taten. Sowohl die Tode, die in seinen Augen sogar etwas positives darstellen, als die Gefangenschaft der Frau erfüllen für ihn einen wichtigen Zweck, trotz aller Grausamkeit.
Nichtsdestotrotz hat er ein ausgeprägtes Gewissen und wirkt oftmals geradezu zerbrechlich.
Jim Devcon, der leitende Polizist ist hingegen ein Texaner, den es der Liebe wegen nach Frankfurt verschlagen hat. Er ist ein eher ruhiger Mann, der ebenfalls sehr menschlich gestaltet wurde, in dem Lirot sein Privatleben und seine Vergangenheit im Buch darlegt.

Durch einen oftmals beschreibenden Stil bekommt man einen guten Eindruck von den Personen, wie sie sich kleiden und welcher Typ Mensch sie so sind.
Lirots Werk war definitiv eine Überraschung, da man die Behandlung eines solchen Thema auf letzten Endes so menschliche Art und Weise überhaupt nicht gerechnet hätte, doch gerade das hat mir sehr gut gefallen.
Ebenso war die Schriftart und Größe sehr angenehm zum lesen.
Sowohl optisch, als auch inhaltlich ein gutes Buch, das sich, da es nicht wirklich dick ist, gut für „zwischendurch“ eignet und dennoch beeindruckt.
Obwohl es sich um einen Band der Jim Devcon Serie handelt, kann das Buch für sich alleine gelesen werden. Mir persönlich ist nicht einmal aufgefallen, dass es kein Einzebland ist. Der einzige Hinweis hierauf sind Anspielungen auf Jims Vergangenheit.

Mein Fazit: Eine gelungene Mischung aus „normalen“ Psychothriller und einer Warnung und Kritik, die sich jeder, egal wie alt, zu Herzen nehmen sollte.

Seele in Fesseln | Eva Lirot | 253 Seiten | 8.95€