Zero Waste ist vielen längst ein Begriff, Minimalismus ebenso. Doch wie lassen sich diese beiden Lebensweisen in den Alltag integrieren?

Umweltverschmutzung, Fische und Vögel mit Plastik im Bauch und wachsende Müllberge sind schon lange kein Science Fiction mehr, sondern unsere alltägliche Lebensrealität. Doch wie kann man die Situation entschärfen?
Beispielsweise indem man minimalistisch lebt, also nur das kauft (und besitzt), was man wirklich braucht. Müll gehört da definitiv nicht zu und so trägt auch Zero Waste zur Reduzierung von… eigentlich allem bei.

Das Buch

In ihrem Buch „Ohne wenn und Abfall- Wie ich dem Verpackungswahn entkam“ erzähl die Autorin von ihrer Umstellung auf Zero Waste und von der Gründung ihres Supermarktes Original Unverpackt (OU, die Berliner unter euch kennen ihn vielleicht.)
Zudem gibt sie Tipps , wie man sich Produkte des täglichen Bedarfs verpackungsfrei oder zumindest verpackungsfrei(er) selber herstellen kann und wie man herausfinden kann, ob man diesen Pulli, die Vase oder was auch immer wirklich noch braucht.

Aufbau des Buches und meine Meinung

Zero Waste ist definitiv kein neues Thema mehr und das Erscheinen von einem (weiteren) Buch zu diesem Thema keine große Überraschung.
Die ersten 50-60 Seiten lang wird dem Leser hauptsächlich die Geschichte des Supermarktes OU erzählt, was meiner Meinung nach viel zu lang war. Ich will ja nicht wissen, was die Frau persönlich macht, sondern wie ich mein Leben verbessern kann.
Die nächsten zwanzig Seiten lang kommen Erklärungen der Begriffe Zero Waste, Minimalism (sowie ein Abriss der Geschichte, wie der Minimalismus kam) und eine Anleitung dazu, wie man seine Sachen (aus)sortiert. Ich bin zwar mit Englisch mehr oder minder groß geworden aber dennoch waren das ziemlich viele Anglizismen.
Dann endlich ging es so richtig los. Jedenfalls etwas. Milena Glimbovski erklärt, wie viel Plastik jährlich wo wegen was landet, wie oft man Papier recyceln kann und dass das eigentlich ziemlicher Wahnsinn ist, dass wir uns so viel Plastik zumuten.
Ab Seite 123 geht es dann darum, warum wir mit Zero Waste gesünder essen und zwanzig Seiten später folgen Anregungen dazu, wo man bestimmte Lebensmittel erwartungsgemäß unverpackt kaufen kann. Bei mir im Dorf gibt es weder einen Asia-Laden, noch türkische Lebensmittelläden. Dafür müsste ich in die nächste Stadt fahren.
Nach den Lebensmitteln folgen die Einrichtung und Tipps (und Rezepte) rund um die persönliche Hygiene. Danach wird es dann schon etwas spezifisch, für jene unter uns, die Kinder haben, im Büro arbeiten oder auf Reisen gehen. Schlussendlich folgt ein Resümee der Autorin, in dem nochmal ihre persönlichen Probleme und Errungenschaften dargelegt werden.
Bis dahin hat man für eigentlich alle Bereiche des Lebens (die für die Allgemeinheit relevant sind) Ideen bekommen und kann theoretisch gleich drauf los ausmisten, aufräumen und selber machen. Vorausgesetzt, man lebt in einer größeren Stadt.
Das Buch hat, wie so viele, ein Problem: Die Autorin lebt in einer Großstadt (Berlin!) und geht davon aus, dass man zu all diesen tollen Geschäften auch Zugang hat. Ich in meinem kleinen 3000-4000 Leute Dorf könnte da Probleme kriegen. Hier ist man ja schon als Vegetarier ein ziemlicher Exot. Zu einigen Produkten aber auch Geschäftskonzepten habe ich überhaupt keinen Zugang. Der lokale (/nächstgelegene) Unverpackt-Laden? 40 min. mit der Bahn weg, also 16 km. Nicht unbedingt dicht. Hinten im Buch findet man auch eine Liste mit unverpackt-Läden, der in Bonn steht allerdings noch nicht drin.

Noch eine kurze Anmerkung zum Stil: Das Buch wurde von einer Feministin geschrieben, das generische Maskulinum wurde also von Zeit zu Zeit auch mal ins generische Femininum verwandelt. Fand ich persönlich ganz witzig, hat den Lesefluss aber nicht unbedingt gefördert.

Fazit

Wer zu der Erkenntnis gekommen ist, dass es zu viel Plastik und Verpackung und Zeug in seinem Leben (und generell auf diesem Planeten) gibt, der hat zwei Möglichkeiten. 1. Er fängt an, sein Leben frei Schnauze möglichst verpackungsfrei zu gestalten. 2. Er kauft sich ein Buch und liest sich durch, wie das geht bzw. gehen kann.
Für Anfänger fand ich das Buch ganz gut, gerade weil es die gebündelten Rezepte beinhaltet hat, aber für ein Zero Waste, pro-Minimalism Buch nicht kompakt genug und aufs Wesentliche reduziert.
Zudem wohnen wir nicht alle in einer Großstadt, wo es alles gibt. Ich wünschte, es gäbe endlich mal: Minimalism für Leute die am Ende der Welt wohnen.

Ohne Wenn und Abfall | Milena Glimbovski | 299 Seiten | KiWi Verlag | 12,99€