Moralische Instanz, Revolutionär, Afrikas Lichtgestalt- Nelson Mandela ist mit der Zeit mehr zum Mythos als zum Ex-Präsidenten Südafrikas geworden und in seinem Buch beleuchtet Bierling Mandelas Entwicklung hin zu dem Mann, der heute als Bekämpfer der Apartheid bekannt ist.

Handlung

Die Handlung des Buches ist schnell zusammengefasst. Auf 375 Seiten (ohne Bibliographie aber inkl. 1 Karte und 21 Abbildungen /Fotos) wird von Mandelas Jugend- und Erwachsenenzeit mit besonderem Fokus auf prägende politische Erlebnisse berichtet. Man erfährt, in was für einer Umgebung er groß wurde und welche Menschen ihn besonders prägten, ebenso, wie er sich gegenüber seinen Frauen verhielt, was bisher nicht oft behandelt wurde.
Oftmals wird auch auf Mandelas Umgebung eingegangen, ihre Beschaffenheit und Organisation. Neben seiner politischen Arbeit für den ANC wird zudem auch seine Zeit im Gefängnis auf Robben Island geschildert und in Hinblick auf die politische Prägung analysiert.

Das Buch beginnt mit „Madibas Magie“ einem Kapitel über Mandelas (überwiegend ausländische) Rezeption heutzutage, als eine Art Prolog. Es folgen seine Schulzeit, der Einstieg in die Politik und sein Weg in den Untergrund, als ihm mehrfach gerichtlich jegliche öffentliche politische Aktivität untersagt wurde. Zudem wird die Entwicklung des ANC (African National Congress, 1912 gegründet um die schwarzen Afrikaner gegen die weiße Minderheitsregierung zu einen) beleuchtet, der zuerst ohne Gewalt auskam und der später unter Mandelas Führung und Einfluss sich von diesem Weg abwandte und beispielsweise Autobomben zum Einsatz brachte.

Des Weiteren analysiert Bierling Mandelas Sympathien mit dem Kommunismus und sein Verhalten im Rivonia-Prozess auf den der fast 30 Jahre andauernde Gefängnis Aufenthalt folgte. Abschließend behandelt der Autor Mandelas Rolle als Verhandler und Aufstieg zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas und sein Leben während und nach der Präsidentschaft, sowie den Streit um sein politisches Erbe. Ergänzt wird das Buch zudem durch Erklärungen zur politischen Entwicklung des Landes, also beispielsweise die Stellung der Buren gegenüber den Briten im Laufe der Zeit.

Meine Meinung

Ein ganzes Leben zwischen zwei Buchdeckeln zusammenzufassen ist keine leichte Aufgabe, doch ich finde, dass Bierling viele Aspekte beleuchtet hat und so dem Lesen den Mythos Mandela näher bringen konnte. Ich hatte ehrlich gesagt vorher kaum Ahnung von Nelson Mandela und wusste nur, dass er als verantwortlich für das Ende der Apartheid gilt. Dass das aber gar nicht so simpel gesagt werden kann, ist klar, wenngleich mir dieses Buch es erst so richtig klar gemacht hat. Zudem wurde mir erneut bewusst, wie einseitig und beeinflussend der Geschichtsunterricht in der Schule oft ist.

Ich fand das Buch recht ausgewogen in der Darstellung positiver und negativer Seiten Mandelas und hatte ebenso das Gefühl, eine tatsächlich kritische Auseinandersetzung zu lesen, was bei solche Büchern natürlich sehr wichtig ist.

Da das Buch weder eine reine Analyse noch Biographie ist, wird es zu einem angenehm zu lesendem Mix, das in einem meist spannenden Schreibstil verfasst ist.

Fazit

Ein lesenswertes Buch über einen wichtigen Politiker der Zeitgeschichte.

Tipp: Wer es etwas kompakter mag kann auch „Nelson Mandela“ von Bierling lesen, das umfasst 122 Seiten (8,95€) und ist mehr oder minder eine gekürzte Variante des vorgestellten Buches, im handlichen Taschenbuchformat.

Nelson Mandela – Rebell, Häftling, Präsident | Stephan Bierling | 416 Seiten (inkl. Anmerkungen, Bibliographie, Bildnachweis und Personenregister | 26,95€ | C.H. Beck Verlag

Bei dem vorgestellten Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar. Der C.H. Beck Verlag hat mir zudem freundlicherweise „Nelson Mandela“ zur Verfügung gestellt.