Konsumiere oder werde recycelt!
In der Zukunft ist der Konsum von Drogen zur obersten Bürgerpflicht geworden und der Tod durch sie ein Zeichen grenzenloser Loyalität gegenüber dem Staat.

Inhalt

Cain ist Mitglied der Gemapo, der geheimem Maschinenpolizei, die beispielsweise Morde an Mechanbürger aufklärt.
Aktuell ist eine Brutmutter samt ihrer 800 Föten umgebracht worden und es gibt gleich mehrere Verdächtige: Den Mechaniker der Brutmutter, der eine Beziehung mit ihr hatte, der Chef des  Unternehmens, dem die Brutmutter gehörte und ein unbekannter Dritter!
Als wäre das nicht schon kompliziert genug, muss sich Solomon Cain mit den Schmerz über seine verstorbene Frau quälen, die sich vor Jahren zusammen mit einigen anderen einen goldenen Schuss setzte, zum Staat zwar zur Heldin wurde, aber Cain nie ihre Gründe erklärte.
Zudem legt das Rauschsicherheitsamt dem Inspektor ständig Steine in den Weg, indem es ihm genau die Informationen vorenthält, die er zur Aufklärung des Falles bräuchte. Doch das tut es nicht ohne Grund!

Umsetzung

Wer sich bis hierhin dachte: Gemapo? Brutmutter? Goldener Schuss? In was für einer Welt leben die da denn bitte, kann genau nachvollziehen, wie ich mich beim Lesen fühlte.
In der Dystopie Junktown ist der Konsum von harten Drogen wie Heroin völlig normal geworden und wer nicht genug Drogen nimmt, wird in der sozialen Hierarchie  runtergestuft. Erreicht man die letzte Stufe, wird der eigene Körper recycelt und man endet als ein bisschen Biomasse.
Ehrlich gesagt, hätte ich nicht damit gerechnet, dass das Buch so „hart“ wird.
Abgesehen mal vom eher derben Sprachstil, ist die Zukunft mehr als nur düster (aus Freiheit für Drogenkonsum wurde der Zwang zum Drogenkonsum) und das Justizsystem nicht erstrebenswert.
Durch die zahlreichen Abkürzen wie HMW (höheres Maschinenwesen), Gemapo, AK (Alter Kämper), Bepo (Bedarfspolizei) uvm., lässt sich das Buch zu Beginn etwas schwierig lesen. Entweder vertraut man darauf, dass die Kürzel demnächst erklärt werden oder man wirft einen Blick ins Abkürzungsverzeichnis, das dieses Buch, in meinen Augen notwendigerweise, enthält.

Die Auflösung von „Junktown“, sowie den Blick in die Entstehungsgeschichte des Staates in seiner jetztigen Form fand ich sehr gut. Es war mal etwas ganz anderes als das typische „Die Erde versinkt in Müll, die Menschheit verzweifelt“, es war vielmehr ein „Müll ist super und die Menschheit hängt zwar an der Nadel aber wir sind eh zu zugedröhnt, um etwas zu merken und finden das super.“ Dystopie vom Feinsten!

Mein Fazit:

Eine fast schon brutale Idee, die sprachlich adäquat umgesetzt wurde und die man sich, als abschreckende Inspiration, definitiv mal zu Gemüte führen sollte.

Junktown | Matthias Oden | 400 Seiten | 12,99€ |  Heyne (Randomhouse)