Wie konnte der Mensch an die Spitze der Hierarchie klettern? Welchen Herausforderungen werden wir uns gegenüber sehen, um da zu bleiben? Und was weiß die Menschheit überhaupt über sich selbst?

Das Buch

Eine Geschichte von morgen teilt sich in drei Teile: Homo sapiens erobert die Welt, Homo sapiens gibt der Welt einen Sinn und Homo sapiens verliert die Kontrolle. Diese Teilüberschriften fassen sehr gut den Inhalt zusammen, den Harari präsentiert. Im ersten Teil wird erforscht, was denn überhaupt der Unterschied zwischen Menschen und allen anderen Tieren sei, wie unsere Spezies die Welt erobern konnte und ob wir tatsächlich eine höhere Form des Lebens sind oder nur so etwas wie eine Art Hooligan. Evolutionshistorisch gesehen geht es in diesem Teil viel um die Zeit vor dem Mittelalter und der Ausbreitung des Westens in den Rest der Welt.

Der zweite Teil fragt, was für eine Welt die Menschen geschaffen haben, wie die Menschheit zur Überzeugung kam, die Welt nicht nur zu beherrschen, sondern ihr auch noch einen Sinn zu geben, wofür er stark auf religiöse Erzählungen und andere Konstrukte zur Definierung des Sinn des Lebens eingeht. Religion spielt in dem Buch sowieso eine zentrale Rolle, denn die dritte Frage des zweiten Teils lautet: Wie wurde der Humanismus – die Anbetung der Menschheit- zur wichtigsten Religion von allen? Historisch bewegt sich dieser Teil um die Jahrhunderte rund um die Französische Revolution herum.

Im Teil über den Kontrollverlust blickt Harari nicht nur in die Gegenwart sondern auch die Zukunft, die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz spielen hierbei eine wichtige Rolle. Können Menschen die Welt weiterhin beherrschen und ihr einen Sinn geben? Inwiefern bedrohen Biotechnologie und künstliche Intelligenz den Humanismus? Wer könnte die Menschheit beerben und welche neue Religion könnte an die Stelle des Humanismus treten, fragt der dritte Teil. Um die Antwort auf die dritte Frage vowerg zu nehmen: Sie lautet Dataismus, also die Anbetung der Daten (genauer gesagt Big Data und Algorithmen).

Meine Meinung

Es ist wirklich verblüffend, wie erzählerisch Homo Deus geschrieben ist. Obwohl es ein Buch ist, dass sich mit Historie, Philosophie, Ethik, Politik, Religion und noch einigem mehr beschäftigt und dabei gewissermaßen an einem Zeitstrahl entlang erzählt, wird es keinesfalls langweilig, weil der Stil nicht nur präzise ist, sondern trotzdem gut und angenehm lesbar. Die Informationsdichte in dem Buch ist extrem hoch, ohne dass man sich beim Lesen erschlagen fühlt. Mit weiterem Fortschreiten des Lektüre kommt es natürlich immer mal wieder zu Wiederholungen (vor allem, wenn man – so wie ich- 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert zuerst gelesen hat). Vielleicht ist aber genau das der Trick dabei, die Leserschaft nicht zu überfordern. Ich finde die Analysen von Harari hochinteressant, fast immer direkt einleuchtend und nachvollziehbar, no

 

ch bevor sie weiter erklärt werden. Erfrischend an  Hararis Buch ist zudem der Umstand, dass es nicht so schrecklich westzentristisch ist, wie viele andere politische Analysen. Stattdessen beleuchtet der Autor auch Einflüsse aus dem asiatischen und afrikanischen Raum und lässt vieles an US- und europäischer Geschichte aus, was

Das Buchcover, nachdem ich Homo Deus gelesen habe.

sonst als ach so wichtig gilt. Dadurch entsteht ein sehr umfassendes Bild, dass für die Leserschaft nicht nur lebensnah sondern auch sehr vielfältig gezeichnet wird, das nicht nur auf Menschen und Technik eingeht, sondern auch die Natur und viele weitere wichtige, oft vernachlässigte Aspekte.

 

Das Kuriose ist an Homo Deus zudem der Umstand, dass Harari zwar teilweise recht kühn in die Zukunft blickt, auch was die Entwicklung der Technik angeht, ihm dies jedoch (meistens) gelingt, ohne wie ein abgedrehter Science-Fiction Theoretiker zu klingen.
Die letzte Seite wurde zudem vom Autor genutzt, nochmal ein ultra knackiges Fazit zu formulieren und Fragen zu präsentieren, mit denen man sich nach der Lektüre des Buches idealerweise beschäftigen sollte. Und es dank der Lektüre auch kann.
Insgesamt ist Homo Deus also ein wirklich grandioses Buch, an dem ich jedoch eine Sache kritisieren muss, die allerdings nicht dem Autor sondern dem Verlag anzulasten ist: Ein Buch muss robust sein und es aushalten, in einer Tasche zu Uni, Training oder was auch immer mitgenommen zu werden. Innerhalb kürzester Zeit ist die Schrift des Titels jedoch vollkommen abgegangen. Das Buch ist längst nicht so komplex, dass man es nur hochkonzentriert zu Hause lesen könnte, wo es keinerlei äußerer Einflüsse ausgesetzt wird…

Fazit

Ich lege allen Menschen, die sich für Geschichte, Politik, Gesellschaft und Digitalisierung interessieren Homo Deus voller Überzeugung ans Herz.

Homo Deus – Eine Geschichte von Morgen | Yuval Noah Harari | 608 Seiten (inkl. Quellen 683 Seiten) 14,95€ | C. H. Beck Verlag – Rezensionsexemplar

Originaltitel: Homo Deus. A Brief History of Tomorrow