Castle Cranshaw alias Ghost kann rennen wie kein anderer seit dieser Schicksalhaften Nachts, doch Laufsport hält er für Zeitverschwendung – bis er durch Zufall in ein Laufteam aufgenommen wird.

Castle und seine Mutter wohnen in einem der schlechtesten Viertel der Stadt, wofür er auch in der Schule regelmäßig gehänselt wird. Ebenso für seine abgetragenen Klamotten, denn Geld für mehr fehlt. Seit Castles Vater betrunken versucht hat, seine Familie zu erschießen, sitzt er im Gefängnis und Castle und seine Mutter schlafen im Wohnzimmer in ihrer Wohnung. In jener Nacht mussten beide um ihr Leben rennen und Castle, der sich selber heimlich Ghost nennt, weiß, dass er verdammt schnell laufen kann. Als er sich eines Tages über ein Laufteam lustig macht, das im Park trainiert, erhält er die Chance, zu zeigen was in ihm steckt. Spontan nimmt der Trainer ihn auf, doch nur unter der Bedingung, dass sich Ghost keinen weiteren Ärger in der Schule einhandelt – doch das passiert eigentlich ständig.

Meine Meinung

Ghost – Jede Menge Leben hat mir sehr gut gefallen. Das Buch ist einem sehr lockeren Sprachstil geschrieben, der aber weder aufgesetzt noch allzu merkwürdig wirkte. Da man Ghost mit der Zeit immer besser kennen lernt und versteht, wieso er handelt, wie er es nun mal tut. Durch das Laufteam erfährt sein Leben keine plötzliche Wende, er hat keinen Aschenputtel-Moment, stattdessen baut er weiterhin Mist und genau das fand ich an ihm authentisch. Er steckt voller Fehler aber eben auch guter Absichten. Er handelt auf eine Art und Weise unlogisch, wie sie jeder von uns kennt und selber vielleicht schon einmal gehandelt hat. Ebenso wirkten Ghosts neue Laufkameraden sehr menschlich. Man lernt sie zwar nur Bruchstückhaft kennen, aber genug, um sich ein Bild von ihnen machen zu können.
Beachtlich fand ich zudem vom Autor die Leistung, Ghost zwar aus schlechten Verhältnissen kommen zu lassen und eine tragische Hintergrundgeschichte zu haben, ihn aber nicht nur als Opfer darzustellen und die Lese auf den Mitleidspfad zu führen. Dafür ist Ghost einfach zu stark.
Was mich allerdings sehr gestört hat: Das Buch endet mit einem Cliffhanger, der nicht etwa ein typischer Cliffhanger ist sondern mehr wie abgeschnitten wirkt.
Abgemildert wird das zwar durch die beigefügte Leseprobe für Patina, Band 2 der Reihe…  aber trotzdem!

Fazit

Mir hat Ghost- Jede Menge Leben sehr gut gefallen und ich freue mich schon sehr auf die weiteren Bände! Die Bücher sind auch gut lesbar für alle, die vom Laufsport keine Ahnung haben.

 

Ghost – Jede Menge Leben | Jason Reynolds | 224 Seiten | 14,95€ | dtv Verlag – Rezensionsexemplar

Originaltitel: Ghost – Running for his life. Or from it?