Wie hat sich die Frauenbewegung und der Feminismus entwickelt? Was bedeuteten Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit für die Frauen während und nach der französischen Revolution? Was wurde erreicht und in welchen Lebensbereichen erfahren Frauen immer noch Ungerechtigkeiten aufgrund ihrer Geschlechterzugehörigkeit?

Inhalt:

Diese Fragen und noch ein paar mehr beantwortet die Autorin in ihrem Werk „Frauenbewegung und Feminismus“. Der Fokus liegt klar auf der westlichen Welt, genauer gesagt auf Europa und den USA.
Mit der französischen Revolution, die den Männern große Verbesserungen brachte und mehr Gleichheit, bedeutete für Frauen mitnichten dasselbe.
Bis heute werden Frauen aufgrund ihrer Geschlechterzugehörigkeit rund um den Globus diskriminiert und Ute Gerhard zeigt auf, was Frauen und auch so einige Männer dagegen tun oder in der Vergangenheit bereits getan haben. Wie sie sich verschwestert aber auch gegenseitig behindert beim Erreichen ihrer Ziele behindert haben.

Meine Meinung:

Das Buch ist mit seinen 125 Seiten ein sehr kompaktes Werk aber nichtsdestotrotz ausführlich und informativ, gerade für jemanden, der sich wie ich erst in das Thema einließt. Wobei das Werk sich ausführlich lediglich mit der Zeit zwischen der französischen Revolution und dem ersten Weltkrieg beschäftigt und danach in einem etwas schnelleren Tempo voranschreitet.
Es ist in meinen Augen ein Anfängerfreundliches Werk, da es wenige Fachbegriffe verwendet, die nicht selbsterklärend wären. Da die Autorin jedoch selber akademisch sehr gebildet ist, taucht der ein oder andere Begriff auf, den man, wenn man sich nicht selber gerade viel in akademischen kreisen aufhält, unbekannt sein könnte. Da diese Worte aber nicht sehr zahlreich sind, behindert es den Lesefluss und das Leseverständnis nicht fundamental und durch ein kurzes Nachschlagen kann leicht Abhilfe geleistet werden.
Neben den vielen Informationen im eigentlichen Werk, findet sich im Anhang zudem eine ausführliche Literaturauswahl, die nach Epochen geordnet ist und viele literarische Anregungen bietet.
Da im Geschichtsunterricht die Frauenbewegung höchstens mal im Umfang einer Stunde behandelt wurde und einem selten mehr Frauenrechtlerinnen als Clara Zetkin und vielleicht noch Louise Otto näher gebracht wurden, war es besonders spannend, diese Personen mal auf vielfältigere Weise kennen zu lernen.
Wer sich nie mit der Frauenbewegung beschäftigt hat, weiß vielleicht gar nicht, wie weit auseinander die Ziele der verschiedenen Organisationen oftmals gingen und welche historischen Gegebenheiten genau ihren Einfluss ausgeübt haben, doch Ute Gerhard veranschaulicht das sehr gut. Sie schildert konkrete Situationen und erlaubt es einem so, sich die damalige Zeit gut genug vorzustellen, um die Ereignisse nachvollziehen zu können.
Wenngleich sich der größte Teil ihres Werkes die Zeit von 1789 bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts beleuchtet, wodurch die „neuer Zeit“ leider etwas kurz kam, und das Buch oftmals einem Geschichtsband gleicht, langweilt es seine Leserschaft nicht.

Mein Fazit:

Ein gelungener Überblick über die Wege und Wendungen der Frauenbewegung, der sich auch für AnfängerInnen eignet.

 

Frauenbewegung und Feminismus – Eine Geschichte seit 1789 | Ute Gerhard| 125 Seiten + Literaturauswahl | 8,95€ | C.H. Beck Verlag Wissen