Wer glaubt, über den 2. Weltkrieg bereits alles zu wissen, kennt noch nicht Roberts umfassende, detailgenaue Analyse.

Das Buch

Feuersturm teilt sich in drei Teile, Angriff, Wechseljahre und Vergeltung. Angriff umfasst die Jahre 1939-1942, Wechseljahre 1939-45. Vergeltung legt den Fokus auf die Zeitspanne von 1939-1945 und enthält als letztes Unterkapitel eine Analyse bezüglich der Frage, warum die Achsenmächte den Zweiten Weltkrieg verloren haben.
Ebenso wie die drei Abschnitte die abgedeckten Zeiträume überlappend betrachten, tun es auch die Kapitel innerhalb dieser. Obwohl es dadurch selbstverständlich zu Überschneidungen kommt, beschränkt der Autor sich bestmöglich. Neben reinem Text werden der Leserschaft ein Abkürzungsverzeichnis, Anmerkungen, selbstverständlich Quellen- und Literaturangaben sowie Bildnachweis, ein umfangreicher Register, 52 Fotos und über 20 Karten geboten. Zitate von wichtigen Persönlichkeiten des Kriegs zu Beginn der Kapitel gehören ebenso dazu,.

Meine Meinung

Feuersturm ist mitnichten das erste Buch, das ich über den Zweiten Weltkrieg lese, und wie so viele habe ich das Thema mehrfach in der Schule behandelt, doch noch nie habe ich eine derart ausgefeilte, detailgenaue Analyse gelesen, die es dann auch noch schafft, nicht völlig trocken zu sein.

Dass RobertsZeitspannen mehrfach abdeckt ist meiner Meinung nach durchaus sinnvoll gewesen, da während eines Weltkrieges zu viele Dinge relativ zeitgleich ablaufen, ohne dass sie einander direkt beeinflussen, die aber zusammen dennoch wichtige Auswirkungen haben. Dies ist umso zutreffender, desto mehr Details von allen Beteiligten beleuchtet werden. Die Wiederholungen halten sich dabei aber tatsächlich in sinnvollen Grenzen. Bei über 780 Seiten muss jedoch zugegeben werden, dass die eine oder andere sogar sehr hilfreich sein kann.

Was mich an Feuersturm am meisten beeindruckt hat war vor allem die enormen Detaildichte, die durchaus über das rein notwendige für eine historisch korrekte Darstellung hinausging. Dieses Mehr an Details erlaubt es jedoch, die Beteiligten als Menschen wahrzunehmken. Immer wieder streut Robert neben Schilderungen (bspw. aus dem KZ-Alltag, der genaue Ablauf der Vergasungen und wie die Leichen der Menschen nach dem Kontakt mit Zyklon B aussehen) ein, dass jemand ein Musterschüler und musikbegabt war oder ähnliches. Inschriften von den Grabsteinen gefallener Soldaten von denen vermutlich noch kein geschichtsinteressierter Mensch je gehört hat, weil es „nur irgendwelche“ Menschen waren werden ebenso zitiert wie Tagebucheinträge von Goebbels zur politischen Lage oder Protokolle, Reden und dergleichen. Dadurch ist Feuersturm nicht nur ein sehr umfassendes Buch sondern auch eines, das auf menschlicher Ebene die Schrecken und Grausamkeiten des Zweiten Weltkriegs greifbarer macht. Durch die Fülle an Details und das Betonen des Menschlichen könnte das Buch zwar leicht überfüllt oder emotional werden, interessanterweise ist jedoch weder das eine noch das andere der Fall.

Zusätzlich erweitert wird RobertsAnalyse durch das Miteinbeziehen von Analysen und Werken anderer AutorInnen deren Einschätzung nicht selten jedoch auch bewertet werden. Nichtsdestotrotz ist sich der Autor dessen sehr bewusst und so wird auch die eine oder andere Meinung kritisiert, die Wissensstände, wie sie zu einem bestimmten Zeitpunkt noch nicht gegeben waren annimmt. (Zum Beispiel im Falle von Fotografien, die Details des Lagerlebens von Auschwitz zeigen. Mit einer Vergrößerungstechnologie könnten genug Informationen gesammelt werden, um präzise Bomben abzuwerfen. Diese Technologie stand jedoch erst ab den späten 70ern zur Verfügung, was manchmal vergessen wird).

Neben der reinen Darstellung gibt es selbstverständlich auch viel Analyse, die sich mit ebenjener Frage beschäftigt, der auch das letzte Kapitel gewidmet ist- wieso haben die Achsenmächte verloren und wie hätte Hitler den Krieg gewinnen können (Spoiler: Indem er den Nationalsozialismus nicht über militärische Notwendigkeiten und Möglichkeiten stellt, so Roberts). Zu beachten ist beim lesen jedoch der Umstand, dass Roberts sehr viel urteilt. Zum einen über die involvierten Personen, zum anderen über seine KollegInnen, die sich bereits mit dem Thema beschäftigt haben. Hierbei ist er jedoch kritisch, selbst seiner eigenen Nation gegenüber.

Fazit

Feuersturm ist wohl das beste, da umfassendste und menschlichste, Buch, das ich bisher über den Zweiten Weltkrieg gelesen habe.

Feuersturm – Eine Geschichte des Zweiten Weltkrieges | Andrew Roberts | 786 Seiten Text (+32 Seiten Fotos, 20 Karten, 3 Grafiken , 109 Seiten Anhang) | 39,95€ |
C.H. Beck Verlag – Rezensionsexemplar

Originaltitel: The Storm of War. A New History of the Second World War (erschienen 2009)