30 Jahre ist es her, dass sechs Freunde ihr Abitur mit einem Urlaub im verschlafenen Dorf Méjean feierten, doch nur fünf kehrten zurück, denn Michael wurde ermordet. Doch nun kommen sie zurück, denn die Enttarnung des Mörders wurde angekündigt!

Das Buch

Barbara, Claudia, Rüdiger, Oliver und Dorothea haben seit knapp 30 Jahren fast keinen Kontakt mehr, dabei waren sie einst eine Clique. Doch der Mord an ihrem gemeinsamen Freund Michael hat sie auseinander gebracht und so leben sie jetzt alle ihr eigenes Leben. Claudia hat es bis ins Ministeramt geschafft, Barbara ist verheiratet und hat zwei Kinder, Rüdiger ist ein erfolgreicher Künstler Dorothea arbeitet als Lehrerin. Ihr Mann, Oliver, mit dem sie schon damals zusammen war ist arbeitslos, doch so verschieden ihre Leben jetzt auch sein mögen- als ein Unbekannter ihnen verspricht, den Mörder von Michael aufzudecken und ihnen gleichzeitig droht, gut gehütete Geheimnisse zu lüften, reisen sie alle an.
Ebenso der krebskranke Comissaire Renard, der bei der damals ermittelnden Polizeistelle arbeitet, selber jedoch nie etwas mit dem Fall zu tun hatte.
Nach und nach fallen immer mehr Puzzleteile an ihren Platz, alte Liebschaften, Missgunst und letztendlich mehr als nur ein Mordmotiv kommen ans Licht.

Meine Meinung

Normalerweise lese ich keine Krimis, aber bei diesem war ich schon nach kurzer Zeit sehr gespannt, wer denn nun der Mörder ist! Cay Rademacher versteht sich gut darauf, falsche, richtige und halbrichtig-halbfalsche Fährten für seine Leserschaft auszulegen. Allerdings erfährt man nicht nur, was damals in Méjean passierte, sondern auch, wie es zu alldem kam und wie der Vorfall sowohl die Bewohnerinnen und Bewohner des Dorfes als auch die Freunde geprägt hat. Dabei werden nicht nur Sehnsüchte beleuchtet, sondern auch der eine oder andere Abgrund der menschlichen Psyche.

Nichtsdestotrotz hat es mich recht schnell genervt, dass von einem Ehepaar sehr schnell klar wurde, dass sie irgendetwas mit dem Mord zu tun haben müssen, lediglich ihr Motiv blieb unklar. Die letztendliche Auflösung hat mich nicht allzu sehr überrascht, wobei mich die Entwicklungen und Erkenntnisse über Michael doch sehr überrascht haben. Es war jedoch eine, für mich sehr neue, Idee, die der Autor verwirklicht hat und wenngleich ich das Ende nicht uneingeschränkt gut heißen kann, so bringe ich doch ein gewisses Verständnis dafür auf.
Es wird gezeigt, dass ein Opfer auch ein Täter sein kann und die Grenze zwischen Moral und Eigennutz nur allzu leicht verschwimmen kann.
Die Figuren sind soweit alle sehr menschlich und egal, was sie tun oder warum, außer in einem Fall ist immer nachvollziehbar, wieso gehandelt wurde, wie es nun mal geschehen ist.

Fazit

Insgesamt ein sehr guter Krimi mit sehr interessanter Auflösung, der jedoch zu sehr aus den Teilen besteht, die das heutige Leben der Freunde Michaels schildern.

Ein letzter Sommer in Méjean | Cay Rademacher | 463 Seiten | 22€ | Dumont – Rezensionsexemplar