Für Karl und seine Familie teilt sich das Leben in Davor und Danach. Vor der Affäre mit Mona und Danach. Vor dem Selbstmord seines Sohnes und Danach.

Das Buch

Ole-Jakob war 18 als er an seine Zimmerwand schrieb: „Ich will morgen nicht mehr aufwachen“ und genau dafür sorgte. Sicherlich hat er unter der Affäre seines Vaters mit einer jüngeren Frau gelitten, selbst nach deren Trennung und dem Wiedereinzug blieb das Verhältnis zwischen Vater und Sohn kühl, ebenso wie das zwischen seiner Schwester und seiner Mutter zu dem treulosen Karl. Doch warum sich Ole-Jakob umgebracht hat, bleibt ungewiss.
Nicht nur von seiner Familie scheint Karl sich entfremdet und entfernt zu haben, sein ganzes Leben scheint ihm, als ob es allzu leicht ein ganz anderes hätte sein können und so begibt er sich auf eine Reise um nachzuspüren, was war und was hätte sein können.

Meine Meinung

Was auch immer ich von Durch die Nacht erwartet habe, ist etwas anderes, als das, was ich bekommen habe. Die zeitlichen Abläufe waren zumindest mir nicht immer klar und schienen miteinander verwoben, ohne dass klar wurde, wie viel Zeit gerade vergangen ist (über das gesamte Buch vergeht jedenfalls mehr als ein Jahr) und nicht immer ist ersichtlich, ob die Reihenfolge erklärend oder einfach nur darstellend ist.
Während vermittelt wird, wie unbegreiflich der Selbstmord für alle ist, bleibt die Erzählung meist eher nüchtern, sehr offen und ehrlich, manchmal bis zur Schonungslosigkeit, die Figuren existieren nur in Bezug zueinander und so fällt es schwer, eine emotionale Bindung zu ihnen aufzubauen.

Verblüfft hat mich der Umstand, dass der Zustand von Ole-Jakob beschrieben wurde, nachdem er in einen LKW gerast ist, denn das ist kein schöner und doch bleibt Saeterbakken in seinen Beschreibungen kompromisslos direkt.
Angesichts der Tatsache, dass der Autor nur ein Jahr nach der Veröffentlichung sich das Leben genommen hat, frage ich mich, ob das Buch eine Art Selbsttherapie darstellt, einen Hilferuf, einfach nur Literatur oder Leser und beziehungsweise oder Autor dem Leid der Hinterbliebenen ausgesetzt werden sollen.

Fazit

Durch die Nacht hat mich vor allem dadurch verblüfft, dass es so ganz anders ist, als alles, was ich bisher gelesen habe.

Durch die Nacht | Stig Sæterbakken | 288 Seiten | 22€ | Dumont Verlag –Rezensionsexemplar

Originaltitel: Gjennom natten