Früher war alles besser? Die Zukunft ist digital? Wie beeinflussen technische Errungenschaft und zunehmende Vernetzung unseren Alltag? Unsere Gesellschaft?

Das Buch

Christoph Türcke schafft es, auf  gerade einmal 243 Seiten einen Überblick darüber zu geben, wie sich das menschliche Zusammenleben unter Einfluss technischer Errungenschaften vom Höhlenmensch bis heute entwickelt hat und sich in den kommenden Jahren entwickeln könnte. Es werden Zusammenhänge aufgezeigt, zwischen Likes und der menschlichen Psyche, dem daraus entstehenden Abhängigkeitsverhältnis und Profitmöglichkeiten für Unternehmen, wenn Schulen ihren Unterricht irgendwann in Clouds hochladen und Lehrer weniger unterrichten als den Lernfortschritt begleiten aufgezeigt.
Gleichzeitig erschreckend aber auch relativ nüchtern beschreibt der Autor, dass es im Prinzip nur noch die Flucht nach vorne gibt, die gleichzeitig einige Rückentwicklungen (zu Hause arbeiten bspw.) mit sich bringt und macht auch darauf aufmerksam, wie unfassbar viel Energie der zunehmende Narzissmus, die Selbstdarstellung und Bündelung von Dienstleistungen über Plattformen frisst.

Meine Meinung

Obwohl Digitale Gefolgschaft nicht gerade ein Unterhaltungsroman ist, lässt es sich doch sehr gut lesen, ist sprachlich so weit gut verständlich und geht sowohl auf positive als auch negative Auswirkungen der Digitalisierung ein. Es wird ziemlich deutlich, dass wir als Menschen nicht verlernen dürfen, in echt miteinander zu agieren, um den Bezug zur Welt nicht zu verlieren. Technisch immer neue Errungenschaften wie 3D-Drucker, aus denen sich Implantate und Prothesen drucken lassen, sind eine tolle Sache doch kein Licht ohne Schatten.

Zuweilen erscheint Türcke etwas utopisch (oder dystopisch, je nachdem wie man es interpretieren möchte) wenn er sich fragt, was die Staatseigenen Kompetenzen in Zukunft sein werden, wenn weder Information noch Bildung oder Transport etc. in den Händen des Staates liegen, weil sie über externe Dienstleister viel billiger zur Verfügung gestellt werden können.

Das Buch enthält gewissermaßen Inspirationen, Warnungen, Informationen und mögliche Szenarien gleichermaßen bereit und erlaubt es so, dass sich Lesende selber ein Bild machen können. (Wobei deutlich wird, dass Christoph Türcke nicht gerade uneingeschränkt begeistert von der Digitalisierung ist. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die, oft übersehnen, negativen Effekte schwerer wiegen werden?)

Fazit

Definitiv lesenswert für alle, die sich für die Geschichte und möglichen gesellschaftlichen  Folgen der Digitalisierung interessieren.

Digitale Gefolgschaft – Auf dem Weg in eine neue Stammesgesellschaft | Chrstiph Türcke | 243 Seiten ( 251 Seiten inkl. Quellen) | C.H. Beck Verlag – Rezensionsexemplar