Macht es einen glücklich, zu Hause zu bleiben, um Kinder aufzuziehen? Oder sollte frau arbeiten gehen? Was bedeutet Freundschaft für Erwachsene? Und wie sieht es eigentlich mit dem Feminismus und seinem Ziel, der Gleichberechtigung von Männern und Frauen, aus?

Das Buch

Amy war einst Anwältin, inzwischen ist die mittlere von drei Töchtern einer Feministin vor allem Hausfrau und Mutter. Während sie alles über das Leben ihres Mannes Leo sowie dem gemeinsamen Sohn Mason weiß, interessieren sich die beiden nicht dafür, was Amy den lieben langen Tag macht. Ihren Freundinnen geht es ähnlich. Sie alle bleiben seit Jahren zu Hause. Ganz selbstverständlich gehen sie zu Elternabenden, organisieren Schulevents und dergleichen mehr, während das von ihren Männern nicht erwartet wird und diese damit beschäftigt sind, Geld zu verdienen. Die eigenen Träume wurden nicht selten aufgegeben, begraben oder zumindest aus den Augen verloren. Ihre Mütter haben hingegen teilweise für Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Partnerschaften gekämpft, in denen die alten Rollenverteilungen überwunden werden können.
Ist einfach noch nicht genug Zeit vergangen?
Und wie lassen sich Freundschaften gegen Eifersucht verteidigen und auch über Distanz aufrecht halten?

Meine Meinung

Die Zehnjahrespause war nach Die Stellung und Das weibliche Prinzip mein drittes Buch von Meg Wollitzer und auch in diesem ist sie ihrem Schreibstil treu geblieben. Sie lässt ihre Charaktere alltägliches erleben und beschreiben, so dass es sich Leser*innen vorstellen können, jedoch ohne dabei zur Überflüssigkeit zu neigen oder lediglich schablonenhafte Figuren zu schaffen.
Die Erzählung erlebt immer wieder kleinere Momente der Spannung, ist aber vor allem ein Roman über Alltägliches, was aber auch vollkommen in Ordnung ist.

Es hat mir gut gefallen, dass nicht nur aus der Perspektive von Amy und ihren Freundinnen berichtet wurde, sondern auch ein wenig aus denen der Mütter, was einem ein wesentlich besseres Verständnis dafür gibt, wie die Frauen wurden, wie sie sind.
Letztlich wirkt es, als ob Frauen keine richtigen Entscheidungen treffen könnten, die sie wirklich glücklich machen, da die gesellschaftlichen Erwartungen und persönliche Wünsche, wie es auch gedreht und gewendet wird, fast immer unvereinbar miteinander zu sein scheinen. Das so deutlich zu zeigen, ist definitiv wichtig, weil es ein sehr hohes Frustpotential birgt.

Relativ deutlich wird nach längerem lesen der Entstehungszeitraum des Buches. Bevor ich mit Die Zehnjahrespause angefangen habe, wusste ich nicht, dass das Buch in den USA schon 2008 erschienen ist. Durch die Bezüge auf Obama und das nicht-beziehen auf noch nicht geschehenes, das jedoch wichtig ist, büßt das Buch viel von seinem Potential, halbwegs zeitlos zu sein ein, was ich sehr schade fand.

Fazit

Insgesamt ist Die Zehnjahrespause ein lesenswertes Buch, das zum Nachdenken anregt. Es zeigt deutlich, dass der Feminismus noch längst nicht alle Versprechungen wahr machen konnte und glücklich zu werden und die richtigen Entscheidungen zu treffen gar nicht so einfach ist.

Die Zehnjahrespause | Meg Wollitzer |448 Seiten| 24€ | Dumont Verlag – Rezensionsexemplar

Originaltitel: The Ten-Year Nap