Taucht ein in eine neue Welt der Elfen, Zwerge und Menschen, die zwar wieder typisch Nuyen ist und doch einen Ticken anders.

Das Buch

Laut dem Schöpfungsmythos der Welt in „Die Töchter von Ilian“ schufen die Elfen einst vier Iliaden, magische Artefakte, die auf unterschiedliche Weise funktionieren. Der Blickende Becher zeigt die Vergangenheit, die Flüsternde Flöte ermöglicht es, mit Tieren zu reden und diesen zu befehlen, die Sternenscheibe zeigt die Zukunft und das Kupferne Kleid, das aus den Splittern der Sprechenden Spiegels besteht vermag Menschen zu blenden und ihnen ihr wahres Ich zu zeigen. Werden sie geraubt, sind sie wirkungslos, doch werden sie in Liebe verschenkt, steigert sich ihre Macht.

Das Kupferne Kleid wird von Königin zu Königin im Kleinen Volk weiter gegeben und da es der aktuellen Königin in die Hände spielt, gibt sie es Walgreta, einer jungen Zwergin die immer nur eine Wyka, eine Weise Frau werden wollte. Doch an ihre Krönung ist auch eine Art Friedensbündnis mit dem Fürsten eines menschlichten Stammes gebunden, in Form einer Hochzeit. Allerdings verliebt sich Walgretain einen Elf, der eigentlich eine Frau ist, und schenkt ihm das Kupferne Kleid. Von ihm erhält sie ihm Gegenzug den Blickenden Becher. Zusammen beschließen sie, die alte Friedensherrschaft Ilians wieder aufleben zu lassen. Doch ihre Wege trennen sich und während Walgreta vortäuschen muss das Kleid zu besitzen, während sie die Flüsternde Flöte sucht, kämpf ihr Elfengeliebter gegen seinen weiblichen Körper an, den er so sehr hasst, seit sein alter Besitzer ihn immer wieder seine Liebe aufzwang , und gegen eine Prophezeiung, nach der es ihm bestimmt ist, die vier Iliaden für die Elfen wieder zu vereinen.

Meine Meinung

Wer bereits Bücher von Jenny-Mai Nuyen gelesen hat weiß, dass meine Inhaltsangabe kaum mehr als ein oberflächlicher Abriss der Handlung ist, denn wie so oft spricht sie viele Ebenen an, verwebt Schicksale zu komplexen, fatalen Ereignissen, die aber stets erstaunlich logisch sind. Dabei werden auch in Die Töchter von Ilian alle Aspekte der Menschlichkeit bedacht, ohne Menschen als überlegene Rasse zu präsentieren, im Gegenteil. Wie in einigen anderen Fällen sehen sich die Elfen als Krone der Schöpfung an, was jedoch zu einer großen Bedrohung wird.

Neben der typischen Brillianz und Spannung  setzt die Autorin das Versprechen des Klappentextes um, Fantasy für eine „neue Generation“ zu schaffen. Eine Generation, die Geschlechterbinärität nicht mehr einfach hinnimmt, reflektiert über Freiheit und Unfreiheit in arrangierten Ehen nachdenkt, in der vor allem die Frauen, die ihr Gesicht verschleiern von vermeintlich weiter entwickelten Völkern als „unfrei“ angesehen werden und zwar weiß, dass nicht alles vorherbestimmt ist, manches jedoch unvermeidlich ist. Ebenso ist „Kämpfen für den Frieden“ ein wichtiges Thema, denn mit der Zeit führt Walgreta die Gefolgsleute von ihrem Ehemann und ihr selbst in eine blutige, Opferreiche Schlacht nach der anderen, um die Iliaden zu finden und endlich Frieden zwischen den Völkern herzustellen.

Spannend fand ich zudem, wie mit den geschlechterspezifischen Personalpronomen bei dem Elf, der biologisch eine Elfe ist, gearbeitet wurde. Während er sich selber als Elf sieht, scheint das seine Familie nicht zu interessieren und auch nach einer Szene, in der er sehr verletzt wird, wird von „ihr“ gesprochen. Da deutlich wird, wie sehr die Wahrnehmung seines Geschlechts davon abhängt, wie gut man ihn kennt, regt das nochmal sehr zum Nachdenken an.

Wenn man ein Happy End erwartet, wird man wie immer enttäuscht, doch dafür gibt es eine deutliche moralische Aussage.
Manchmal fand ich das Buch etwas unsubtil in der Verarbeitung gesellschaftlicher Fragen, aber im Großen und Ganzen fand ich es soll, wie völlig selbstverständlich Rechtfertigungen für moralisch falsches Handeln, Menstruation, die Verwischung von Geschlechtergrenzen und eine Herrschaft der Frauen in dem Buch vorkam, dabei aber trotzdem so präsentiert wurde, das klar ist, dass darüber nachgedacht werden soll.

Fazit

Die Töchter von Ilian ist mal wieder ein großartiges Buch von einer absolut lesenswerten Autorin, die gefühlt von Buch zu Buch noch besser wird.

Die Töchter von Ilian | Jenny-Mai Nuyen | 656 Seiten | 16,99€ | S. Fischer Verlage – Rezensionsexemplar