Ein Jugendlicher mitten im Dschungel während des Bürgerkriegs in Sri Lanka. Bombardements, Blut, Tod und mittendrin eine spontane Eheschließung. Etwas Sicherheit?

Das Buch

Dinesh ist ein junger Mann aber doch fast noch ein Kind, vielleicht sechzehn oder siebzehn, so genau weiß man es nicht. Tagein, tagaus hilft es im behelfsmäßigen Krankenhaus des Lagers, in dem er zurzeit lebt. Wo genau er sich befindet, wie weit er schon von zu Hause fortgeflohen ist, um nicht von der Bewegung als Soldat eingezogen zu werden, weiß er nicht mehr. Seine Mutter ist tot, wie so viele, die er kennt. Umgeben ist Dinesh täglich von Toten, Verwundeten, dem Tod. Jeden Tag fallen Granatbomben, die direkt und indirekt so viele töten.

Eine Abwechslung von der Routine tritt ein, als er während des Gräberschaufeln gefragt wird, ob er Ganga, die Tochter eines älteren Mannes heiraten möchte. Vielleicht, damit sie sicher ist und weniger wahrscheinlich von der Bewegung eingezogen wird, sollte diese vorbeikommen. Dinesh willigt ein und ist nicht mehr alleine. Doch der Tod lässt sich von so etwas wie einer Heirat nicht beeindrucken. Wird die scheue Zuneigung der beiden jungen Menschen mitten im Krieg überhaupt eine Chance haben?

Meine Meinung

Ich kann getrost behaupten, noch nie ein vergleichbares Buch gelesen zu haben. Obwohl nur ca. 30 Stunden in diesem kurzen Buch beschrieben werden, erfährt man unglaublich viel über Dinesh, durch seine Gedanken, die auch Rückblenden enthalten. Dadurch, dass er offensichtlich emotional dicht gemacht hat, um von den ihn umgebenden Schrecken nicht in den Wahnsinn getrieben zu werden, bleibt vieles allgemein, wird nicht zu genau benannt. Was jedoch nicht heißt, dass es keine präzisen Beschreibungen gäbe, ganz im Gegenteil. Während des Lesens begleiten wir Dinesh an einen Brunnen, um sich waschen, wir sind bei einem ausgiebigen Schiss am Strand dabei, wenn er vor Granaten Schutz sucht.

Dadurch, dass Arudpragasam zwar präzise beschreibt aber nichts zu genau benennt, ist nicht unbedingt klar, wann und wo dieses Buch spielt. Es könnte in jedem beliebigen Krieg spielen (seit Splittergranaten verwendet werden). Es ist quasi eine Brille, durch die Leid, Schrecken, Hoffnung, Alltag, Entmenschlichung und der Versuch, Mensch zu bleiben betrachtet werden können.

Obwohl nicht behauptet werden kann, dass das Buch einen ausgeprägten Spannungsbogen hätte oder allzu viel passiert, ist es keinesfalls langweilig, einfach weil die Verarbeitung der Schilderungen nicht einfach ist und sowohl emotional als auch rein vom rationalen Verständnis her ihren Tribut fordern.

Fazit

Die Geschichte einer kurzen Ehe ist ein unfassbar eindringliches Buch, das sich nicht nur lohnt zu lesen. Jede*r sollte es lesen!

Die Geschichte einer kurzen Ehe | Anuk Arudpragsam  | 221 Seiten | 12,95€ | Unionsverlag

Originaltitel: The Story of a Brief Marriage