Was macht den Islam aus? Ist er wirklich so frauenfeindlich und mörderisch wie viele oft glauben?

Das Buch:

Der Islam für Kinder und Erwachsene erklärt in vielen kleinen Texten die oftmals von Illustrationen unterstützt werden, was im Koran steht und was das praktisch für Muslime und Musliminnen bedeutet.

Die Autorinnen beginnen mit der Rolle Gottes und der Gottesdarstellung sowie den fünf Säulen des Glaubens. Bereits hier wird Ramadan erklärt und die Rolle des Fastens. Was es mit der Pilgerfahrt nach Mekka auf sich hat, erfahren Interessierte ebenfalls. Welche Rolle der Moschee, gewissermaßen dem Haus einer Gemeinde zukommt, wie sie aufgebaut ist und welche Personen was für eine Rolle darin spielen? Darum geht es im dritten Kapitel. Im vierten Kapitel geht es um den Koran, die Gebote und Verbote, Speisegesetze (Stichwort halal), diverse theologische Schulen und wie unterschiedlich der Koran von welchen Gruppen ausgelegt wird. Danach folgt eine Erläuterung der Scharia sowie deren Gebote und wofür die Scharia im islamischen Recht steht – und wofür nicht.

Dem Propheten Muhammad ist ein eigens Kapitel gewidmet ebenso der Beziehung von Männern und Frauen, in dem übigens auch Eherechte und –pflichten sowie Homosexualität und Ehrenmorde sowie Kopftücher zur Sprache kommen. Tradition und Kunst sind jedoch ebenfalls ein wichtiges Thema, die Hand der Fatima oder das Verbot von Abbildern kommt vielleicht einigen bekannt vor, das achte Kapitel beantwortet die meisten Fragen hierzu.
Die Wahrnehmung von MuslimInnen und Nicht-MuslimInnen füllen das neunte Kapitel, der Islam und die Politik das zehnte. Hierin wird auch auf den Dschihad und FundamentalistInnen und Radikale eingegangen. Wie es um die muslimische Vielfalt in Deutschland und der Welt bestellt ist beleuchten Kaddor und Müller im elften und letzten Kapitel, so dass ein sehr umfassender Rundumschlag über so ziemlich alle Themen in dem Buch zu finden ist.

Meine Meinung

Der Islam – Für Kinder und Erwachsene zeichnet ein sehr freundliches, gütiges und tolerantes Bild vom Islam, wie man es sonst nur sehr, sehr selten zu sehen kriegt. Bei der Lektüre dieses Buches fällt es leicht zu verstehen, warum Menschen Trost im Koran finden, was sie aus positiver Sicht dazu bewegt, diesen Glauben anzunehmen. Die kritische Auseinandersetzung mit radikalen Fanatikern zeigt aber auch, dass sich die Autorinnen dieser Problematik sehr wohl bewusst sind. In den entsprechenden Textpassagen wird deutlich, was sich viele MuslimInnen sicher wünschen: Die Erkenntnis wie falsch, aus der Zeit gerissen und unmodern die Interpretation dieser Menschen ist. Ja, es steht im Koran dass die Ungläubigen getötet werden sollen, es wird jedoch auch ausführlich erklärt, wie es zu dieser Aussage wohl kam und warum man das eigentlich nicht mehr auf die heutige Zeit beziehen kann.

Ich fand es unglaublich spannend den Islam von seiner friedlichen, offenen Seite kennen zu lernen und mir ein grobes Allgemeinverständnis über ihn aneignen zu können.
Die Zeichnungen helfen zusätzlich die Texte zu verstehen, nichtsdestotrotz habe ich nicht so ganz das Gefühl, dass es ein Kinderbuch ist. Die Sprache ist zwar meistens aber nicht immer einfach genug und gerade die Kapitel über Dschihadisten und  ähnliche richten sich vermutlich eher an das erwachsene Publikum.

Fazit

Der Islam für Kinder und Erwachsene ist sehr informativ und sichtlich bemüht positiv und offen zu vermitteln. Zusätzlich erhält man durch dieses Buch ein kleines Gesamtkunstwerk.

Der Islam – Für Kinder und Erwachsene Lamya Kaddor, Rabeya Müller – Illustriert von Alexandra Klobouk | 165 Seiten (+ Literaturverzeichnis, Register etc. 175) | 19,95€ | C.H. Beck Verlag – Rezensionsexemplar