Juliettes Leben war stets gut behütet. So gut sogar, dass sie nie etwas erlebt hat. Doch aus der Gewohnheit, sich Gedanken über anderer Leute Lektüre in der Metro zu machen wird bald ihr Leben verändern.

Das Buch

Das Mädchen, das in der Metro las erzählt die Geschichte einer jungen Frau die nie schwierige Entscheidungen getroffen hat und nie größere Hindernisse überwinden muss. Sie ist weder weit weg von ihren Eltern gezogen, noch hat sie je ein Abenteuer erlebt. Eines Tages findet Juliette jedoch einen kleinen Laden, wenn man es denn so nennen möchte, in dem Soliman mit seiner Tochter lebt. Soliman beschäftigt Kuriere, die nicht nur Bücher aussetzen sollen, damit andere sie finden und lesen und wieder aussetzen (das Prinzip nennt sich bookcrossing und existiert tatsächlich). Nein, die Kuriere sollen Leute beobachten und ihnen dann das richtige Buch geben. Eher aus Versehen wird Juliette eine solche Kurierin und kurze Zeit später passt sie auf Solimans Tochter auf, nachdem dieser auf Reisen ging und stellt sich die Frage: Was will ich in meinem Leben machen? Die Bücher zwingen sie, eine Entscheidung zu treffen.

Meine Meinung

An und für sich ist das Buch ganz wunderbar. Juliette riecht an Büchern, liebt sie und versucht bei anderen Menschen, die ihr begegnen, herauszufinden, was diese lesen und was sie dabei wieso empfinden. Büchern kommt eine wichtige Rolle zu und es wird deutlich, dass Bücher mehr sein können als nur etwas bedrucktes Papier.
In dem Buch werden zahlreiche weitere Bücher erwähnt, zumeist ältere oder französische Werke, die man am besten kennen  sollte, um ihre Erwähnung korrekt einschätzen zu können. Die meisten waren mir persönlich fremd, so dass ich das Gefühl hatte, einer Unterhaltung zuzuhören, deren Anfang ich verpasst habe.  Von Juliette erfährt man zudem so wenig, dass sie nicht wirklich greifbar wird. Ähnliches gilt auch für die weiteren Charaktere des Buches.

Den Schreibstil fand ich ebenfalls etwas anstrengend. Juliette unterbricht sich oft selber, hat sehr zusammenhangslose Gedanken und denkt manchmal an Vergangenes, was einem als Leser erst später klar wird oder sich zumindest nicht wirklich harmonisch einfügt. Das mag zwar authentisch und realistisch sein, es zu lesen ist jedoch relativ anstrengend.

Insgesamt hatte ich das Gefühl, ein großartiges Buch zu lesen, zu dessen Großartigkeit ich jedoch keinen Zugang finden konnte. Mir war die ganze Zeit klar, was man an dem Buch alles toll finden könnte, doch für mich blieb das unerreichbar, wie durch eine Glasscheibe getrennt, was ich sehr schade fand.

Interessant fand ich die Seiten vorne im Buch, die Platz bieten, sich Notizen zu Büchern, die man noch lesen oder verschenken möchte, die das Leben verändert haben oder die man als Kind las.

Mein Fazit

Ein vermutlich wunderbares Buch, zu dem ich einfach keinen richtigen Zugang finden konnte.

 

Das Mädchen, das in der Metro las | Christine Féret-Fleury | 172 Seiten | 18€ | DuMont

Rezensionsexemplar

Originaltitel: La fille qui lisait dans le métro