Inspiriert von Rumpelstilzchen nimmt uns Naomi Novik mit in ein Land, das wegen der Staryk im Winter zu versinken droht und wo auch so manches Herz vereist und Zaren Feuerdämonen sind.

Das Buch

Das spanische Cover (wobei die französische Version auch mit diesem Cover erhältlich ist)

Mirjem ist die Tochter eines viel zu weichen Geldverleihers, weswegen sie in großer Armut aufgewachsen ist. Eines Tages ist sie die Schmähungen und den Hunger jedoch leid, weswegen sie eines Tages selber loszieht, um die Schulden bei den Dorfbewohnern einzutreiben. Leicht ist diese Arbeit nicht und schon bald beklagt ihre Mutter, Mirjems Herz würde kalt wie Eis werden, doch endlich hat die Familie genug zu essen und schon bald ist die junge Frau so erfolgreich, dass man behaupten könnte, dass sie Silber zu Gold machen kann.

Einer der größten Schuldner von Mirjems Familie ist jedoch der stets betrunkene Vater von Wanda, die dankbar ist, als Mirjem vorschlägt, sie könne die Schulden ihres Vaters abarbeiten. So entkommt sie ihrem Vater, der nur Alkohol und sonst nichts im Kopf hat und lernt die Magie von Zahlen und Buchstaben kennen, während sich eine Freundschaft zu Mirjems Familie aufbaut.
Eines Tages jedoch taucht der König der Staryk auf, der Winter höchstpersönlich und stellt Mirjem insgesamt dreimal vor die Aufgabe, eine immer größer werdende Menge Silber innerhalb kürzester Zeit in Gold umzuwandeln. Im Herzog der nächstgelegenen Stadt findet sie auch einen dankbaren Abnehmer. Doch das Silber, was zu Schmuck geschmolzen wird und der Tochter des Herzogs geschenkt wird, Irina, ist magisch und schon bald entdeckt Irina, dass sie solange sie den Schmuck trägt, in die Welt der Staryk gelangen kann. Bald wird ihr diese Option zu einer willkommenen Fluchtmöglichkeit, als sie mit dem eitlen Zaren vermählt wird und sich herausstellt, dass dieser von einem Feuerdämon kontrolliert wird. Einem Feuerdämon, der das genaue Gegenteil des Staryks darstellt, der Mirjem letztendlich in sein Königreich entführt, damit sie dort möglichst viel Silber zu Gold verwandelt, was jedoch ungeahnte Folgen für ihre Welt hat.

Meine Meinung

Wer genau das Rumpelstilzchen in Das kalte Reich des Silbers ist, lässt sich gar nicht so genau sagen. Zum einen haben wir die immer kälter werdende Mirjem, die Schulden eintreibt und magische Fähigkeiten besitzt, zum anderen den Staryk, der dies von ihr verlangt. Ganz unmagisch ist Irina letztlich auch nicht und so ergibt sich nicht nur eine Rumpelstilzchenadaption sondern gewissermaßen eine Fusion aus russischen Märchen, Rumpelstilzchen, einer Prise Aschenputtel, der Schneekönigin, sogar ein wenig Die Schöne und das Biest und noch einigem mehr.
Tatsächlich bin ich immer mal wieder mit Irina und Mirjem durcheinander gekommen, weil sie sich beide in der Winterwelt und der sonnenbeschienen bewegen, beide ein übernatürliches Wesen heiraten und mit dem magischen Silber zu tun haben. Begünstigt wurde die Verwirrung jedoch auch durch den schleichenden Wechsel von der 3. Person-Erzählerperspektive zur Ich-Perspektive bei allen drei Mädchen, so dass man sie zunächst immer leicht unterscheiden konnte, sich im Laufe des Buches ihre Geschichten und Schicksale jedoch immer enger miteinander verflechten.  Alle drei, Wanda, Mirjem und Irinia sind zudem pragmatisch und die einzige Erzählperspektive, die stilistisch relativ leicht von den anderen zu unterscheiden ist, ist die von Stepon, Wandas jüngerem Bruder, der auch ab und an zu Wort kommt.

Das französische Cover

Grundsätzlich fand ich die Geschichte sehr gut, vielleicht hat es mich bloß etwas blockiert, zu wissen, dass es eine Rumpelstilzchenadaption sein soll, weil mir einfach so viel aufgefallen ist, dass dafür oder dagegen (und teilweise eher für andere Märchen) sprach. Die Handlung schreitet insgesamt gar nicht mal so rasant voran, obwohl wir so viele Perspektiven und Personen kennen lernen. Interessanterweise wird es beim Lesen jedoch nie langweilig, so dass man immer wissen wollte, wie es weiter geht. Fast schon nebenbei und doch zentral sind auch Moralfragen, zum Beispiel wenn Mirjem bei sehr armen Familien Schulden eintreiben geht oder Irina am Ende entscheiden muss, ob sie riskieren will, eine der beiden Welten der Verdammnispreis zu geben.

Ich fand es sehr schade, dass die Figuren mit Fortschreiten der Geschichte immer mehr miteinander verschmolzen. Nichtsdestotrotz sind es sehr starke, selbstständige Protagonistinnen, zusammen eine tolle Mischung ausgeben. Was man vom Ende halten will, sei jedem selbst überlassen. Ich habe zwar nicht damit gerechnet, überrascht hat es mich dann letztendlich jedoch nicht, aber das ist in Ordnung. Das Buch zeigt von viel Fantasie, Liebe zu Märchen und dem Schreiben und starken Frauen. Und wer möchte, kann in dem Buch sogar noch sehr viel mehr als nur gute Unterhaltung finden, da es auch zum Nachdenken anregt, wenn man sich darauf einlässt.

Fazit

Insgesamt fand ich Das kalte Reich des Silbers ein gutes und sehr solides Buch.

PS: Welches Cover findet ihr eigentlich schöner? Das deutsche oder das

englische

amerikanische?

Ich persönlich finde das deutsche Cover zu sehr an Das Reich der sieben Höfe angelehnt, ebenso wie den Titel und liebe das englische!

Das kalte Reich des Silbers | Naomi Novik  | 573 Seiten | 18€ | cbj Verlag (Randomhouse) – Rezensionsexemplar

Originaltitel: Spinning Silver