Atlanta bekommt 1948 die erste Einheit farbiger Polizisten, doch sowohl weiße als auch farbige BewohnerInnen sind skeptisch und wollen die Männer zum Teil mit aller Gewalt wieder aus dem Amt drängen.

Das Buch

Tommy Smith und Lucius Boggs geben ihr Bestes ihre farbigen MitbürgerInnen vor weißer Polizeigewalt zu schützen und selber am Leben zu bleiben. Doch eine nächtliche Streife bleibt besonders im Gedächtnis nachdem das Mädchen, eine Farbige, kurze Zeit später tot auf der Müllhalde gefunden wird. Ihr weißer Mitfahrer war, wie sich nach einer Weile herausstellt, ein Ex-Cop, der gegen Bezahlung die Drecksarbeit für noch aktive Polizisten erledigt, nicht wenige von ihnen sind Mitglieder im Ku-Klux-Klan. Boggs und Smith ermitteln privat, wie das Mädchen umkam und stoßen dabei auf Widerstände- durch ihre Familien, die Familie des toten Mädchens und natürlich die weißen Polizisten. Doch es gibt einen weißen Cop, dem der Rassismus gehörig gegen den Strich geht.

Meine Meinung

Eins vorab: Ich habe in dieser Rezension nur „Farbige“ geschrieben, weil es so im Buch verwendet wird und auch der Klappentext damit arbeitet. Für mich ist das tatsächlich merkwürdig, da ich normalerweise Schwarz sage (die Bezeichnung, die mein Vater für sich selber verwendet).

Grundsätzlich fand ich das Buch richtig gut. Der Stil ist sehr angenehm zu lesen, die Personen sind relativ leicht in „gut“ und „böse“ unterteilbar, was die Sympathienverteilung denkbar einfach macht. Nichtsdestotrotz werden die Figuren mit Leben gefüllt und wir erfahren relativ viele kleine und große Details, selbst von den „bösen“, die dabei helfen, ihre Motive zu verstehen. Die Geschichte wird gut erzählt und kritisch, die Schwarzen sind sich sehr bewusst, dass sie in Atlanta schon in einer der weniger rassistischen Städte im Süden leben (wenn man das denn so formulieren möchte).

Was zudem ebenfalls wichtig ist: Mullen hat sich für das Buch auch mit der Familie von William Strickland in Verbindung gesetzt – einem der ersten echten schwarzen Cops von Atlanta. Das Setting wie es im Buch beschrieben wird, das seperate Hauptquartier für die schwarzen Polizisten im YMCA ihres Viertels hat es so wirklich gegeben und auch weitere Details sind historisch korrekt. Dennoch ist das Buch eine fiktive Geschichte, die Personen zwar durch reale inspiriert, aber keine dokumentarische Erzählung.

Der Autor erzählt sehr eindringlich und schonungslos, manche Szenen haben mir fast die Tränen in die Augen getrieben und es kommt immer wieder die Frage auf: Wie können Menschen nur so verachtenswert rassistisch sein?

Fazit

Darktownhat mir sehr gut gefallen, mit seiner Mischung aus Historie und Fiktion, Krimi und Gesellschaftsprorträt.

Darktwon | Thomas Mullen | 478 Seiten | 24€ | Dumont Verlag – Rezensionsexemplar

Originaltitel: Darktwon