Ein deutscher Thrilller mit vielen Irrungen und Wirrungen und einer unglaublichen Auflösung!

Brandstifter erzählt die Geschichte mehrerer Personen, deren Schicksal unaufhaltsam miteinander verknüpft ist.
Ganz gleich, ob Millionärsgattin oder ehemaliger Drogenhändler und Familienvater, das Schicksal trifft sie alle.
Die Geschichte beginnt mit der Enthauptung eines Bauunternehmers, dessen Frau und Kinder kurz darauf bedroht werden. Schaffen sie es nicht 550.000€ innerhalb weniger Tage aufzutreiben, sind sie geliefert.
Ein ähnliches Schicksal droht Luka, der endlich einen Job braucht, um seine Familie aus der schimmeligen Sozialwohnung holen zu können. Doch vorher muss er 5.000€ an seinen ehemaligen Dealer zahlen.
Weniger Geld aber dafür mehr Informationen braucht hingegen der Privatermittler David Gross, dessen Frau vor 4 Monaten durch jemanden entführt wurde, der sehr wahrscheinlich zur Russenmafia gehört. Momentan soll er die Unschuld eines Mannes beweisen, der im Koma liegt und beschuldigt wird, seine Wohnungsamt Familie darin angezündet zu haben.
Wem diese Beschreibung des Inhalts mehr wie eine Aufzählung, denn wie eine zusammenhängende Geschichte erschien, fühlt sich genauso wie ich während der ersten Hälfte des Buches.
Erst ab der Mitte treffen zum ersten Mal ein paar der Figuren aufeinander und ganz langsam beginnt sich die große Verwirrung zu lösen und Verbindungen der Menschen untereinander sichtbar zu werden. Wirklich logisch erscheint einem alles erst ganz zum Schluss.
Aufmerksam wurde ich auf das Buch durch eine Postkarte des Autors, die eines Tages in meinem Briefkasten landete und mir auf diesem Wege ein Rezensionsexemplar anbot. Von der Handlung stand nichts darauf und selbst auf der Autorenhomepage erfährt man eher wenig über das Buch. Dennoch hatte ich persönlich etwas anderes erwartet, im neutralen Sinne.
Ein wenig Geheimniskrämerei finde ich prinzipiell wichtig, um Spannung aufzubauen und Neugier zu wecken, je nach Gerne in unterschiedlichem Maße.
Beim „Brandstifter“ fiel dieses Maß größer aus und wenngleich sich  in der Mitte endlich zwei Personen kennen lernen, die bisher nicht miteinander zusammen hingen, wird noch immer nichts für den Leser klarer. Zusätzlich unterstützt wird die Verwirrung dadurch, dass mal von den Figuren nur der Nachname und bei anderen Gelegenheiten hingegen der Vorname genannt wird. Mir persönlich war bis ganz zum Schluss bei einigen Personen überhaupt nicht klar, dass es sich um ein und dieselbe handelt und da die Perspektiven scheinbar teilweise zeitversetzt spielen, dies aber nirgendwo kenntlich gemacht wird, wächst die Ahnungslosigkeit.

Zwei Dinge sind mir bei dem Buch wirklich negativ aufgefallen.
Der Autor verwendet oftmals ähnliche Formulierungen und möglicherweise ist es in dem einen Fall gewollt, dass in einer Szene zwei Leute etwas unabhängig voneinander quasi gleich formulieren, da sie miteinander in Verbindung stehen, doch an einigen Stellen gibt es keinerlei Anlass für eine solche Annahme.
Ebenfalls gestört hat mich die häufige Verwendung von Markennamen. Es ist vollkommen in Ordnung, mal hier und da mit Markennamen zu arbeiten aber wenn der Markenname durchgehend als Synonym für etwas verwendet wird, dann stört mich das. In Filmen ist man daran gewöhnt und es wird auch auf die Finanzierung durch Produktplatzierungen hingewiesen, im Falle des „Brandstifter“ bezweifle ich jedoch, dass dem so ist.

Da ich mit keiner der Figuren wirklich warm geworden bin und viele Geheimnisse erst sehr spät gelüftet wurden, hat sich das Buch für mich streckenweise ein wenig gezogen.
Grundsätzlich mochte ich die Idee hinter dem Buch und das Konzept, mit dem Zusammenführen verschiedener Leute, die sich nicht kennen, schmutzige Geheimnisse und Geldwäsche, jedoch hat mich die Umsetzung nicht überzeugen können.
Wirklich gut fand ich an dem Buch hingegen die Schriftgröße und wenn es mal weiße Seiten zwischendurch gab, dann hatten diese einen erkennbaren Sinn.
Zusätzlich positiv anzumerken sind die eher kurzen Kapitel, die für viel Abwechslung sorgen. Bei einem so „dicken“ Buch, wie dem „Brandstifter“ kommt man dann allerdings schnell auf über hundert Kapitel, was ein wenig komisch wirkt.
Immerhin ließ sich das Buch schnell lesen und war trotz allen Kritikpunkten recht kurzweilig.
Möglicherweise waren für mich einige Dinge nicht ersichtlich, da es sich bereits um den 3. Band einer Reihe handelt, deren ersten beide Bände ich nicht gelesen habe und auch inhaltlich nicht wirklich kenne. Insgesamt machte es allerdings einen eigenständigen Eindruck, so dass die ersten zwei Bände nicht als Voraussetzung erscheinen.

Mein Fazit: Ein Buch mit einer guten Idee, das mich aufgrund des sehr langen Hinhaltens des Lesers und unsympathischen Charakteren nicht in seinen Bann ziehen konnte.
Wer bereit ist, sich auf viel Verwirrung einzulassen, könnte jedoch mehr Spaß als ich an dem Buch haben.
Die Idee, durch eine Postkarte auf sein Buch aufmerksam zu machen war, zumindest für mich noch neu und hat mir gut gefallen, da es neugierig macht und zeigt, dass sich der Autor zumindest bis zum Impressum durch den eigenen Blog geklickt hat.

 

Brandstifter (Band 3 der David Gross Reihe)| Martin Krist | 480 Seiten | 11.99€ | Selfpublish