Was wäre, wenn du gerade der schnellste Läufer der Welt geworden bist? Doch der Zweitplatzierte entdeckt, dass du gar kein Mann bist? Wie reagierst du und was wird passieren?

Das Buch

Lan ist überglücklich, als er ein wichtiges Rennen in einer Weltrekordzeit läuft, doch Lan ist eigentlich ein Mädchen und ihr ist ein Tampon aus der Jackentasche gefallen. Miles, der Zweitplatzierte hat es gesehen und konfrontiert Atalanta noch auf dem Siegerpodest stumm mit dieser Tatsache. Sie greift ihn an und flieht. Die zwei Wochen bis zum Ende der Olympischen Spiele verbringt sie bei anderen, immer auf der Flucht vor Miles, der ihr Geheimnis preisgeben könnte.

Dabei denkt sie immer wieder an ihre Kindheit zurück. Daran, wie sie als Dreijährige von zu Hause weglief und die nächsten zehn Jahre auf einem Schiff lebte, als blinder Passagier, aufgezogen von einem schwulen Paar das Teil der Schiffscrew ist. Sie lernt nicht nur rechnen und schreiben, sondern auch die Geschichte von Atalanta aus Homers Odyssee. Doch irgendwann wird sie entdeckt und landet auf dem Festland, wo sie erst von anderen queeren jugendlichen Flüchtlingen in eine Gruppe aufgenommen wird. Später wird sie durch Zufall in ein Sportinternat aufgenommen, wo sie zu Lan, dem Läufer wird.

Meine Meinung

Eines vorab- das Buch war ganz anders, als ich erwartet habe! Ich hätte mit weniger Vergangenheit und mehr Gegenwart gerechnet und hätte mir ehrlich gesagt auch eine klarere Auflösung der Folgen der Enthüllung durch Miles gewünscht, die aber nicht wirklich kam. Insgesamt hatte das Buch auf mich den Eindruck „irgendeiner“ Geschichte, was dadurch verstärkt wurde, dass Namen austauschbar und unbedeutend waren, Orte keine Namen hatten, die dem Leser ein Begriff wären, sondern nur zwischen den Ländern „Eiland“ und „Festland“ unterschieden wurde. Das macht das Ganze auf der einen Seite zwar flexibler, auf der anderen Seite birgt es jedoch die Gefahr, zu undefiniert für meinen Geschmack zu sein.

Abgesehen davon fand ich für ein so dünnes Buch die Kombinatuion aus Von zu Hause weggelaufen (mit 3 Jahren!!!) + wechselnde Geschlechteridentität + Flüchtling + Leistungssportlerin+ schwule (Zieh-)Eltern + Griechische Mythologie Einsprengsel + Auf einem Schiff aufwachsen ziemlich viel, wenn man bedenkt, dass man wenig wirklich greifbares über Atalanta erfährt, die zudem auch vieles von ihrer Vergangenheit verdrängt zu haben scheint. Hinzu kommen dann noch andere Personen, denen Atalanta begegnet und deren Handlungen auch teilweise kurz beschrieben werden, ohne dass LeserInnen irgendetwas über diese Menschen erfahren. Das fand ich ziemlich schade. Immerhin ließ sich das Buch ganz gut lesen, auch wenn es aufgrund der Unbestimmtheit und Nicht-Geben einer klaren Antwort in Hinblick auf überhaupt irgendetwas eigentlich keine wirkliche Spannung aufbauen konnte.

Fazit

Etwas viel auf einmal, das mangels Kohärenz und Bestimmtheit sehr schwammig bleibt. Schade.

 

Atalanta – Läufer_in | Lilly Axster | 160 Seiten | 8€ | Fischer Verlage – Rezensionsexemplar