Der alte, weiße Mann ist quasi das Feindbild aller FeministInnen. Doch wer gehört dazu? Wie erkennt man ihn?

Das Buch

Alte weiße Männer besteht aus der Erzählung von insgesamt 16 Interviews, die Passmann mit mehr oder weniger alten weißen Männern geführt hat mit dem Ziel herauszufinden, ob sich diese selber als  alte weiße Männer sehen und wie sie zum Feminismus stehen. Natürlich driftet der eine oder andere etwas ab, dass Kevin Kühnert (JUSO-Chef) beispielsweise auch über seine Partei redet oder Tim Raue (2-Sterne Koch) über das Kochen verwundert wenig. Während man von der Autorin und ihren Gesprächspartnern ein wenig über die eigenen Positionen erfährt, kommentiert Passmann zusätzlich quasi durchgängig wie sie sich verhalten, wie das Verhalten wirkt.

Die Interviews wurden mit folgenden Männern geführt:  Christoph Amend (Leiter Zeit-Redaktion), Micky Beisenherz (Autor für Das Dschungelcamp), Kai Diekmann (Journalist), Robert Habeck (Bundesvorsitzender der Grünen), Carl Jakob Haupt (Fashionblogger), Kevin Kühnert (JUSO Chef), Rainer Langhans (Schauspieler, ehem. Mitglied der Kommune I), Sascha Lobo (Blogger), Papa Passmann ,Werner Patzelt (Politikwissenschaftler), Ulf Poschardt (Chefredakteur (Die Welt) , Tim Raue (2-Sterne Koch), Marcel Reif (Schweizer Sportjournalist und –kommentator), Peter Tauber (Historiker, Parlamentarischer Staatssekretär des Verteidigungsministeriums, CDU), Jörg Thadeusz (Journalist, Radio-& Fernsehmoderator), Claus von Wagner (Kabarettist)

Meine Meinung

Die Momente in denen ich das Gefühl hatte, etwas Neues zu erfahren, wirklich etwas zu lernen waren in diesem Buch extrem rar gesät.  Auch von den interviewten Männern gab es in den wenigsten Fällen wirklich gehaltvolle Aussagen, die nicht am Thema vorbei oder eben inhaltsleer waren.
Die Antwort, wer nun weiße alte Männer sind, hatte sich Passmann offensichtlich schon vor Beginn des Buchs selber gegeben, jedoch nicht immer bestätigt bekommen. Ein paar gute Aussagen gab es, vor allem von den Interviewpartnern, ja. Manche waren wie zu erwarten eher etwas erschreckend, andere sogar ziemlich spannend und ein guter Denkanstoß.
Was mich allerdings komplett genervt hat, war die ständige Beschreibung, was sie selber oder der Mann oder die Kellner drum rum etc. tun.
Ob die jetzt in einem Café sind und Steak oder Fritten essen, wie das Boot heißt, das vorbei dümpelt oder wie die Sonne auf den Zürichsee fällt- ich wollte keinen Roman, sondern Erkenntnisse.

Aber die einzige wirkliche Erkenntnis die Sophie Passmann in dem Buch zu haben scheint lautet, dass sie ab und zu mal aus ihrer Feminismusblase raus muss, quasi ins echte Leben und sich auch mal mit Gegenpositionen konfrontieren muss. Das hätte ich ihr aber auch so sagen können. Dass sie aus einem Akademikerhaus kommt und selber studiert hat, merkt man bis zu dem Level ab dem es nervt, leider relativ deutlich. Habitus scheint sowieso eines ihrer Lieblingswörter gewesen zu sein. (Für alle, die keine Sozialwissenschaften studieren: Habitus= die Summe der Gewohnheiten und Selbstverständlichkeiten durch die man so wurde, denkt und handelt, wie man es tut. So ganz grob.)

Ja, Feminismus nervt viele Leute. Nein, wir können diese ungerechte Welt nicht von heute auf morgen ändern. Und ebenfalls nein: Weiße, alte Männer sind weder an allem schuld, noch Unschuldslämmer.

Es hätte dem Buch zudem wirklich gut getan, wenn weniger drauf rum analyisert worden wäre, ob die Männer echt oder unironisch sind oder ob irgendetwas schön ist und dabei die ganze Zeit so ein Akademiker-Sprech mitschwingt.

Mein Fazit

Meine nächsten 300 Seiten die ich von irgendeinem Buch lese haben hoffentlich mehr Inhalt.

Alte weiße Männer | Sophie Passmann | 304 Seiten | Kiepenheuer und Witsch Verlag – Rezensionsexemplar