Was ist eigentlich aus der deutschen Frauenbewegung geworden? Ist sie noch aktiv? Und wieso scheuen sich junge Frauen oftmals davor, sich als Feministinnen zu bezeichnen – und so mit Alice Schwarzer in Verbindung gebracht zu werden?

Das Buch

Miriam Gebhardt ist mit Alice Schwarzer als präsente Medien-Persönlichkeit groß geworden und moniert, dass Schwarzer quasi das Meinunsmonopol des deutschen Feminismus für sich beansprucht und durch ihre relativ unflexiblen Meinungen junge Frauen abschreckt, sich ebenfalls für das Thema zu begeistern und damit zu identifizieren.
Die Autorin schildert die Entwicklung von Schwarzers Medienpräsenz im Kontext der gesellschaftlichen Geschehnisse, versäumt es aber auch nicht, die Vorbilder und Vorreiterinnen (Sime de Beauvoir, Olympe de Goughes etc.pp) mitsamt ihren Denkrichtungen vorzustellen und einem so Einblick in die Entwicklungsgeschichte des westlichen Feminismus zu geben.

Zusätzlich beschäftigt sich Gebhardt mit der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Frauen und ihren Möglichkeiten, an der Gesellschaft teilzunehmen, wodurch das Buch vor allem zu einer zeithistorischen Betrachtung wird.

Meine Meinung

Jahrgangsmäßig gehöre ich schon fast zu den Millenials, wodurch Alice Schwarzer kaum mehr als ein Name ist, den man mal gehört hat. Über die Geschichte der Frauenbewegung weiß ich relativ wenig, in der Schule wird ja vor allem männliche Geschichte unterrichtet, weswegen ich mir das alles erst beibringen muss. Um einen Überblick über die historischen Abläufe mitsamt den verschiedenen politischen Strömungen ist das Buch meiner Meinung nach gut geeignet, wobei die Autorin nicht völlig objektiv an die Sache herangeht, was man sich immer wieder bewusst machen sollte und vielleicht noch ein oder zwei weitere Bücher mit gegebenenfalls anderen Positionen dazu lesen sollte.
Bereits der Titel macht Gebhardts Position klar, Alice Schwarzers Meinungsmonopolbeanspruchung ist schädlich für die Nachwuchsgewinnung. Für mich war das Buch eine Mischung aus Ausbuchstabierung dieser Position, die ihre Begründung durch die Darstellung der historischen Entwicklungen erhält.

An und für sich fand ich das Buch gut, da es allerdings immer wieder repetitiv ist, wird es nach einer gewissen Weile auch etwas anstrengend und langatmig zu lesen.
Hinzu kommt dass trotz allem ein gewisses Grundwissen um die historischen Persönlichkeiten vorausgesetzt wird, wodurch man sich als möglicherweise noch relativ unwissender Leser manchmal etwas außen vor fühlt, was ich schade fand.

Fazit

Durch seinen langen historischen Teil eignet sich das Buch durchaus auch für Einsteiger. Da die verschiedenen Positionen dargestellt werden, kann es zudem helfen, die eigene Position zu finden. Trotzdem ist es leider manchmal etwas langatmig.

 

Alice im Niemandsland | Miriam Gebhardt | 352 Seiten | 19,99€ | DVA Sachbuch (Randomhouse)