Befinden wir uns möglich schon im Stadium der Postdemokratie oder ist da noch etwas zu retten?
Laut Jürgen Wiebicke stehen uns alle Möglichkeiten offen und in seinem Buch erklärt er, wie die Demokratie gerettet werden kann.

Inhalt

Besonders wichtig sei es, offen und tolerant zu sein und zu bleiben. Ebenso müssen wir auch mal andere Meinungen gelten lassen als die eigene und Menschen mit anderer Meinung genau zuhören. Wir dürfen unsere Köpfe nicht in den Sand stecken und Scheuklappen anlegen, um alles Schlechte auszublenden, genau so wenig dürfen wir mit diesen Scheuklappen auch nicht das Potential, das überall noch vorhanden ist ausblenden. Abgesehen davon, ist niemanden geholfen, wenn jeder gegen „die Gesellschaft“ und „die Politiker“ ist. Kurzum: wir müssen uns öffnen, für alles, was um uns herum geschieht, aber gleichzeitig dürfen wir auch nicht vergessen, für unsere Ziele zu brennen.

Meine Meinung

Bereits der Titel des Buches ist geradezu reißerisch. Demokratie-Retter klingt nach einem ziemlichen großen und etwas reißerischem Wort. Im Verlauf des Buches, das in zehn Kapitel unterteilt ist, erzählt der Autor von verschiedenen Begebenheiten aus seinem Leben, die ihm als Inspiration gedient haben. Der Auslöser, dieses Buch zu schreiben, war die Wahl des aktuellen US-Präsidenten Donald Trump. Insgesamt legt Wiebicke eine eher kritische Haltung gegenüber dem Establishment an den Tag, bekennt aber zum Schluss, dass er wohl selber in diese Schicht gehört, jedenfalls durch die Augen anderer gesehen

Nicht selten wird als ein Demokratiegefährdender Faktor die AfD genannt, was die Frage aufwarf: Gefährden Linksextreme nicht ebenfalls die Demokratie? Wieso wird sich politisch auf eine Richtung fokussiert? Die Antwort des Autors, wenngleich eher indirekt gegeben: Er sieht sich selber tendenziell eher links. Wer dieses Buch liest, muss sich dessen bewusst sein. Es ist keinesfalls ein objektives Buch, sondern vielmehr eine persönliche Reflektion über oftmals regionale, politische Ereignisse, die uns hier präsentiert wurden. Wenngleich ich mich selber eher links als rechts einordnen würde, wenn die Mitte keine Option mehr wäre, finde ich es schade, dass nur auf diese Partei eingegangen wurde und nicht beispielsweise so wirklich auf die zunehmende Politikverdrossenheit im Allgemeinen.

Ich finde es gut und wichtig darüber nachzudenken, wie wir unsere Demokratie schützen und erhalten können, weswegen ich mich auch für das Buch interessiert habe.
Dass die politische Orientierung des Autors so durscheint und das Buch dermaßen auf die regionale Ebene beschränkt bleibt, fand ich schade. Ebenso sind einige seiner Tipps nur dann umsetzbar, wenn man sich in einem ähnlichen Lebensumfeld (konkret beispielsweise: Stadt) befindet.

Fazit:

Ich habe mir mehr und universellere Tipps erhofft und nicht eine so voreingenommene und in vielerlei Hinsicht beschränkte Berichterstattung.

Zehn Regeln für Demokratie-Retter | Jürgen Wiebicke | 112 Seiten | 5€ | Kiepenheuer & Witsch Verlag