3 Frauen, die völlig unterschiedlich sind und sich nicht kennen, doch alle miteinander verbunden sind. Was wollen sie? Kinder? Karriere? Was sagt die Gesellschaft dazu?

Das Buch

Camilla ist eine erfolgreiche Bloggerin und wünscht sich keine Kinder. Während das für sie vollkommen in Ordnung ist, ebenso wie die Tatsache, dass sie seit über sechzehn Jahren über ihr Privatleben bloggt, scheinen viele Menschen mit beidem ein erhebliches Problem zu haben. Doch wieso überhaupt?

Stella liest regelmäßig Camillas Blog, früher gerne, heute erscheint er ihr mit den ganzen positiven „Nimm dein Leben selber in die Hand, es ist einfach!“-Gerede heuchlerisch. Sie arbeitet als persönliche Assistentin für den Fotografen Jason, der ein Buch schreiben soll. Während Stella versucht ihre immer weiter auseinanderfallende Beziehung zu Phil zu retten, der wenig Verständnis dafür hat, dass sie noch immer um ihre verstorbene Zwillingsschwester (die vor 10 Jahren an Eierstockkrebs gestorben ist, nur relativ kurz nach ihrer Mutter, die an Brustkrebs starb). Zudem will sie so gerne ein Kind und nach der letzten Mammographie, bei der sie erneut gesagt bekommt, dass sie zu 85% ebenfalls an Brustkrebs erkranken wird, wird sie langsam immer verzweifelter.

Tara liest ebenfalls gerne Camillas Blog, dreht beruflich herausragende Dokumentationsfilme und muss sich jeden Tag das sexistische Gewäsch ihrer männlichen Kollegen anhören. Währenddessen zieht sie ihre sechsjährige Tochter bewusst alleine groß, ist auf der Suche nach einer Beziehung und versucht einfach eine gute Mutter zu sein, doch die anderen Mums an der Schule ihrer Tochter scheinen sie alle nicht zu mögen.
Endlich scheint sie Glück in der Liebe zu haben, als sie Jason kennen lernt, mit dem sie direkt auf einer Wellenlänge ist. Auf dem Rückweg von ihrem Date ist sie geil, denkt, sie sei unbeobachtet und masturbiert in der U-Bahn. Doch jemand hat sie gefilmt – und kurz darauf haben mehrere Millionen Menschen das Video von „Wank Woman“ gesehen. Ihr Leben droht auseinander zu fallen.

Das Leben der drei Frauen verbindet sich nach und nach als Tara und Jason sich treffen, Stella zu verhindern versucht, dass da mehr draus wird, weil sie eigene Pläne verfolgt  und Tara Kontakt zu Camilla aufnimmt, nachdem diese öffentlich Taras unfreiwillig gefilmtes Verhalten verteidigt.

Meine Meinung

Alle drei Frauen sind sehr verschieden und sind genauso und doch anders vermutlich überall zu finden. Sowohl Stella als auch Tara und Camilla stellen gewissermaßen gesellschaftlich unnormale Frauen dar- eine freiwillig Kinderlose, eine (unfreiwillig) Kinderlose und eine Alleinerziehende. Und doch haben sie ganz alltägliche Probleme, die mit der Zeit jedoch immer mehr aus dem Ruder laufen. Ich fand es spannend, mal über so untypische Protagonistinnen zu lesen. Gerade zu Beginn war das Buch oft unglaublich lustig und ich musste so oft und viel über die wunderbaren Szenen lachen, dass mich ein älteres Pärchen im Bus gefragt hat, was ich denn da lese.

Ehrlich gesagt hatten die drei jedoch total ähnliche Beschreibungsstile, so dass ich nur durch Bezugnahme auf die gerade aktuelle Perspektive und Taten wusste, über wen ich gerade lese. Die Beweggründe der drei konnte ich stets nachvollziehen, auch wenn insbesondere Stella später zu ziemlich drastischen Methoden gegriffen hat. Camillas Blogbeiträge fand ich außerdem, genau wie Stella, eher nicht so authentisch, teilweise grässlich positiv und (wie Stella) hatte ich immer wieder das Gefühl, dass Cam über Dinge schreibt, von denen sie selber gar nicht so viel Ahnung hat – was sie aber glücklicherweise in Bezug auf manche Themen später auch selber eingesehen hat.

Tara mochte ich persönlich am liebsten und ich fand ihre Verzweiflung und ihre Reaktion auf die Veröffentlichung des Videos später auch realistisch. Wie sie sich durch den Austausch mit Camilla später jedoch inspiriert fühlen konnte, bleibt mir ein Rätsel, um ehrlich zu sein.

Was mich zudem erstaunt hat ist der Umstand, wie offen und häufig Markennamen verwendet wurden, insbesondere L´Oreal,  die als Hauptsponsor für Cams Blog erwähnt werden. (Ich habe sogar die Dankesaussage gecheckt, um hierfür eine Erklärung zu finden, jedoch keine gefunden). Das kommt ein wenig wie Werbung rüber und hat mich ehrlich gesagt gestört.

Ebenso wie das Ende. Was Camilla angeht sage ich nur: WTF? Frau O´Porter – wie konnten sie nur???
Bezüglich Stella – bisschen drastisch und doch arg positiv,… wirkt allerdings ein wenig wie eine Wiederholung von Taras Geschichte. Und Tara, tja. Verdientes Happy End, aber auch etwas ruckartig.

Fazit

Ich könnte noch so viel mehr zu dem Buch schreiben, aber: Insgesamt fand ich es toll und vielseitig, es gab aber auch Stellen, die mich an den Rande des Wahnsinns getrieben haben.

Cows – Folge nicht der Herde | Dawan O´Porter | 464 Seiten | 18€ | S. Fischer Verlage – Rezensionsexemplar

Originaltitel: The Cows