Fast jeder hat schon mal von Bullet Journals gehört, selbstgestalteten Kalendern, die weit mehr können, als Platz für Termine zu bieten. Doch ist der Hype berechtigt? Und… brauchen wir überhaupt so viel Schnickschnack im Kalender?

Was ist das?

Dass ich das erste Mal von Bullet Journals gehört habe, ist bestimmt schon ein, zwei Jahre her. Zunächst kam mir die Idee ziemlich merkwürdig vor: Einen eigenen Kalender zu erschaffen. Man kann die Dinger doch einfach kaufen! Wieso sollte sich irgendwer die Mühe machen? Zudem schien man irgendwelche speziellen Stifte zu brauchen – quasi parallel wurde das Handlettering in Deutschland ebenfalls ziemlich populär.
Da zu Beginn viele erstmal vornehmlich den FiloFax benutzten, kam zudem der Kostenfaktor dazu. Von den Stiften mal ganz abgesehen.

Und dann erst der Aufwand, alles selber zu machen! Nein Danke!

Vor ein paar Monaten wurde ich jedoch ein wenig neugieriger. Inzwischen waren viele zu Blanko-Notizbüchern gewechselt oder solchen mit einem „dotted grid“ also Punkten statt Linien oder Karos. (Die übrigens auch ziemlich teuer sein können.)
Wer mal versucht hat, einen Kalender zu gestalten und sich dann im Internet „BuJos“ anguckt, wird vermutlich ziemlich schnell Minderwertigkeitskomplexe kriegen und sich unter Stress gesetzt fühlen.
Viele Bullet Journals sind keine Kalender- sondern Kunstwerke!

WashiTape (bedrucktes Klebeband wie das mit den Bäumen rechts im Bild), Leuchtturm, Moleskine oder doch ein ganz anderes Notizbuch?, Brushpen, Tombow… es gibt Leute, die kleine Rollcontainer voll mit Material für ihr Bullet haben und alles Mögliche eintragen. Future Log (aka Kalender für das kommende Jahr oder andere weit in der Zukunft liegende Termine), Habit & Mood Tracker, Tages-, Wochen- und Monatsübersichten und und und… alles verziert mit Zeichnungen, buntem Klebeband etc. mich hat das ehrlich gesagt unfassbar demotiviert und abgeschreckt.

 

Kleiner Tipp: Klickt auf die Bilder (Rechtsklick, Grafik anzeigen), um sie besser sehen zu können!

Braucht die Menschheit das wirklich?

Geändert hat sich das erst, als ich auf Gestalte dein Journal mit der Bullet Methode-Buch* gestalten stieß. Die Autorin dieses Buches zeigt zwar auch schöne Kunstwerke, verfolgt grundsätzlich aber einen eher minimalistischen Ansatz, mit dem ich viel mehr anfangen kann!
Wer selber vielleicht nicht so kreativ ist, oder einfach nicht jede Woche stundenlang den eigenen Kalender zeichnen will, kann sich Mein Bullet Buch* kaufen- eine Art vorgedrucktes Bullet Journal. Darin findet man viele klassische Elemente wie die Wochenübersicht, Motivationsseiten etc. Für mich war das jedoch nichts, weil die Wochen nicht direkt nach den Monaten kamen, sondern ganz weit hinten. Ich persönlich brauche das etwas dichter beieinander.

Am Anfang war ich auch ziemlich skeptisch, weil es schien, als ob BuJos nur war für Leute seien, die ihre Termine eher kurzfristig planen, also maximal einen Monat im Voraus. Im Extremfall weiß ich manche Termine aber schon ein Jahr im Voraus und brauche dann die Möglichkeit, das einzutragen. Mit losen Zetteln will ich gar nicht erst anfangen.

Mit Hilfe des Gestalte dein Journal mit der Bullet Methode- Buch* habe ich dann endlich nützliche Inspirationen für m e i n Bullet Journal gefunden, nachdem ich beschlossen hatte, so etwas für meinen Auslandsaufenthalt mal auszuprobieren.

Ich arbeite mit wenigen Farben (Schwarz als Grundfarbe für die Linien, Rot für wirklich wichtiges. Orange für Uni Termine und Rosa für Privates. Mit Füller trage ich allgemeines ein).
Die Orientierung an meinem bisherigen Kalender hat mir dabei geholfen. Wieviel Platz brauche ich für eine Woche, wieivel in der Wochenübersicht für den einzelnen Tag?
In meinem Tagebuch habe ich vor zwei Monaten einen Habit-Tracker angefangen, weil ich To-Do Listen liebe und so nicht immer neue schreiben muss, sondern von wiederkehrenden Sachen wie Training, Uni-Aufgaben, vor Mitternacht schlafen gehen und so weiter sehen kann, ob ich das über eine längere Zeit mache. Welche Gewohnheiten ich in Luzern verfolgen werde, ist allerdings noch offen.

nachdem mir Tinte über das Buch ausgelaufen ist, nutze ich es einfach von der Rückseite aus 🙂

Zudem habe ich mir notiert, was ich vor der Abreise noch erledigen muss (Wohnung, Uni-Formalitäten, Krankenversicherung etc.), eine Übersicht über das allgemeine Budget, eine Seite für gelesene Bücher und so weiter, um statt Tagebuch, Haushaltsbuch, Bücher-Übersichts-Buch und Kalender nur das (relativ dünne) „Bullet Journal“ und mein Tagebuch mitzunehmen. Für mich wirkt es übersichtlich und nach der Schweiz kann ich euch berichten, wie es geklappt hat.

Aber die paar typischen BuJo Elemente, die ich schon in mein Tagebuch integriert habe, gefallen mir gut. Man darf es bloß nicht übertreiben.

Eine kleine Anmerkung

Mir ist klar, dass viele es als ein wunderbares und kreatives Hobby ansehen, ihren Kalender so intensiv und detailliert zu gestalten- für mich wäre das der pure Frust, weswegen ich es lieber etwas minimal mag. Die Grundidee gefällt mir aber.

Wichtig ist meiner Meinung nach, dass jeder für sich rausfindet, ob es eher die aufwendige Variante oder die schlichte, rein funktionale werden soll. Für mich funktioniert die zweite definitiv besser!

 

Interessanterweise waren Bullett Journals übrigens ursprünglich nicht als reine Kalender konzipiert sondern als Werkzeug zur Organisierung von Ideen
Es sollte eine Art Allround-Notizbuch sein, in dem Aufgaben koordiniert, Ideen gesammelt und diverese andere Sachen festgehalten werden können.
So haben sich auch diverse Symbole entwickelt und etabliert, mit denen die Notizen oder Termine üblicherweise markiert werden, damit auf einen Blick klar wird, ob das aktuell wichtig ist oder noch etwas Zeit hat. Ich persönlich finde Farbcodierungen etwas praktischer, sowohl in der Verwendung als auch zum merken. Zudem nutze ich mein Bullett Journal eher zur Terminkoordinierung weil in diesem Bereich die meisten Ideen und Notizen anfallen, so sieht man es auch meist im Internet- wodurch eben leicht der Eindruck entsteht, Bullett Journals wären primär als Kalendetr konzipiert. Solange es ein bisschen Platz für Notizen gibt, reicht mir das aber eigentlich. Außerdem möchte ich nicht ALLES IMMER mit mir rumschleppen, um im Moment fokussiert zu bleiben. Außerdem wüsste ich dann nie, wie ich den Kalenderteil weit im voraus gestalten sollte, wenn ich ja zwischendurch Platz für Ideen bräuchte.

Was für einen am besten funktioniert muss man selber herausfinden  – Try and Error.

 

 

 

 

 

 

*bei diesen Büchern handelt es sich um Rezensionsexemplare, die mir vom Verlag zur Verfügung gestellt wurden.