Stell dir vor, in deinen Kopf wäre ein kleiner Computer, ein sogenannter Djini, eingebaut, mit dem du alles machen kannst: Chatten, Türen öffnen, Nachrichten sehen, Musik hören und noch viel mehr. Ohne ihn bist du allerdings blind, taub und komplett isoliert von deinen Mitmenschen.
Das ist die Welt der Zukunft, in der Marisa und ihre Freunde leben. Sie sind ambitionierte Videospieler und dabei, sich einen in der virtuellen Realität Namen zu machen.
Eines Tages gerät eine von ihnen, Anita, die Tochter des Djini-Herstellers Abendroth, in Kontakt mit der Droge Bluescreen. Es handelt sich um einen USB-Stick, den man in einen im Kopf eingebauten Slot einsteckt. Die Folge ist der Totalabsturz des Systems und ein kurzes Koma. Der totale Kick, wie die Benutzer finden. Allerdings hat die Droge fatale Nebenwirkungen. Ihre Konsumenten scheinen zu schlafwandeln und so kommt es, dass Anita, unter Einfluss der Droge stehend, versucht, ihren eigenen Vater zu töten.
Bald entdecken die aufstrebenden VR-Spielerinnen geheimnisvolle Zusammenhänge zwischen Anitas Dealer, den zwei mafiösen Clans, die in Mirador, Marisas Heimatstadt, herrschen, ermordeten Studenten und der Droge Bluescreen.
Viel Zeit bleibt ihnen allerdings nicht, um das Rätsel der Droge zu lösen, denn die Spielerinnen werden direkt und indirekt von den Programmierern bedroht.

Bluescreen ist ein spannender Sci-Fi Thriller, der uns zeigt, wie unsere Welt in 100 Jahren (oder gar weniger) aussehen könnte.
Dan Wells zeigt jedoch nicht nur Vorzüge, wie völlig selbstverständliche internationale Freundschaften oder ein durch die Technik bequemer gemachtes Leben, auf, sondern auch Gefahren, die bereits heute real sind: Abhängigkeit von technischen Hilfsmitteln, vielfältige Manipulationsmöglichkeiten durch die implantierten Djinis und Drogenmissbrauch.
Das Buch ließ sich leicht und flüssig lesen, durch Marisa als einzige Erzählerin wurde der Lesefluss zudem nicht durch Perspektivwechsel gestört. Das Cover und der Titel (Bluescreen =  technische Fehlermeldung) passen gut zum Buch und mit Marisa und ihren Freundinnen hat der Autor starke, weibliche Protagonisten erschaffen, die auch ohne anzuhimmelnde männliche Retter auskommen.
Allerdings sind die Figuren relativ stereotyp, beispielsweise Marisa  wächst im, zum größten Teil spanischsprachigen und eher armen Mirador auf, das Viertel wird durch rivalisierende Familien terrorisiert und wenn sie emotional wird, verfällt die Gamerin vom Englischen ins Spanische. Jedoch verleiht ihr das auch eine gewisse Authentizität.
Besonders gut hat mir zudem der Verzicht auf eine, für die Handlung relevante, Liebesgeschichte gefallen.
Störend waren hingegen teilweise fehlende Erklärungen von technischen Begriffen und Erfindungen. Zudem wirkte es manchmal ein wenig paradox, dass die Figuren sich benahmen, als sei ein so eng mit der Technik verknüpftes Leben schon lange normal, obwohl sich sich diese Lebensweise mit den Djinis erst in den jüngsten Jahrzehnten (so) entwickelt hat.

Mein Fazit: Eine spannende Neuerscheinung eines sehr sympathischen  Authors (Autoreninterview folgt auf meinem Youtube Kanal), die ich jedem Sci-Fi Fan nur wärmstens empfehlen kann.
Bluescreen | Dan Wells | 386 Seiten | 12.99€ | piper Verlag