Da im kommenden Berufsleben nichts über Kompetenzen und Referenzen geht, war es mir von Anfang an wichtig, in den Ferien ein paar Praktika zu machen. Meine erste Wahl fiel auf ein journalistisches Praktikum.
Ursprünglich wollte ich das Praktikum, was ich gerade mache, bereits im Winter absolviert haben und so war ich beim Vorstellungsgespräch ein paar Wochen vor dem gewünschten Praktikumszeitraum auch sehr erstaunt, als es hieß, meine Bewerbung sei überhaupt nicht für den Winter berücksichtigt worden. Es handelt sich um eine Lokalzeitung und meine Bewerbung hatte ich bereits Ende des Sommers geschrieben!
Die Zeitung werde ich nicht namentlich nennen, da es a) nicht wichtig ist und b) mir mein Bauchgefühl sagt, dass das die richtige Entscheidung ist.

Tag 1 – Montag

Diese Woche war es dann aber endlich so weit. Bei meinem Job (den ich seit Ende Juni habe) nahm ich mir zwei Wochen frei und fuhr am Montag zum ersten Mal zur Zeitungsredaktion.
Da man mir gesagt hatte, die Mitarbeiter kämen alle so zwischen zehn und halb elf wollte ich einen guten Eindruck machen und war um zehn also da. Als eine der ganz wenigen. Daran änderte sich im Laufe der nächsten Dreiviertelstunde auch nicht viel. Man sagte mir, ich solle mir ein paar Zeitungen schnappen und erstmal lesen. Gesagt, getan.
Bis zur morgendlichen Konferenz dauerte es noch eine ganze Weile. Ich saß also so lange rum und las Zeitung und wurde nach und nach ein paar Redaktionsmitgliedern vorgestellt.
In der Konferenz verstand ich nicht viel, da es eine Planseite gab, die mir aber nicht erklärt wurde.
Ich bekam die unfassbar tolle Aufgabe über ein Thema einen Artikel zu schreiben, dass mich ungefähr so viel interessierte wie die … naja, nichts. Die Freude war also riesig. (Ich verrate euch nicht, welche Aufgabe das konkret ist, weil das dem Redaktionsgeheimnis unterliegt.)
Im Anschluss wurde mir Zugang zum Computer verschafft, was daran zu scheitern drohte, dass eine andere Redaktion, die auch zu der Zeitung gehörte ebenfalls eine Praktikantin hatte und ich mir mit ihr quasi den Account teile. Wollen wir beide das Programm nutzen, mit dem die Zeitungsseiten erstellt werden, gilt: Der frühe Vogel fängt den Wurm.
Soweit so gut.
Ein wenig später wurde ich von jemanden gefragt, ob ich mit zu einem Termin kommen möchte. Da ich nicht wirklich was zu tun hatte, sagte ich gerne zu und schrieb beim Termin Alibi-mäßig mit, um nicht nur dekorativ zu sein.
Überraschend bat mich der Redakteur dann, mal einfach mithilfe meiner Notizen drauf los zu schreiben.
Den restlichen Nachmittag verbrachte ich also mit schreiben, kennen lernen der anderen Redaktionsmitglieder, sofern anwesend und ein wenig Recherche zu meiner uninteressanten Aufgabe. Für jemanden, der es nicht gewohnt ist, sich das Büro mit jemand teilen zu müssen, war der Lärm, der durch die offenen Türen jeden Raumes entsteht, erst einmal gewöhnungsbedürftig.
Nichtsdestotrotz fand ich meinen ersten Tag nicht schlecht.
Die Leute waren nett und ich war bereits bei einem Termin gewesen!

Tag 2 – Dienstag

Der zweite Tag begann wie der erste. Ich war pünktlich da und damit scheinbar zu früh. Ich vertrieb mir die Zeit bis zur Konferenz also mit Zeitungslesen und ein wenig reden. Da meine Schreibtischnachbarn nett sind, fühlt man sich eigentlich direkt sehr gut aufgehoben.
In der Konferenz passierte nicht viel, jedenfalls nicht, das so spektakulär gewesen wäre, dass ich es jetzt noch wüsste.
Danach wurde ich ausgeschickt, um Menschen zu den entdeckten Giftstoffen in Eiern zu befragen. Ich fand eigentlich, dass ich meine Aufgabe gar nicht so schlecht machte, angesichts der Tatsache, dass viele Menschen absolut unkommunikativ waren und ein Problem damit zu haben schienen, ihr Gesicht und ihren Namen mal in der Zeitung zu sehen.
Die Statements, die ich  dennoch sammeln konnte, waren allerdings zu kurz oder nicht aussagekräftig genug. Also nochmal raus in den Regen.
Am Ende hatte ich ein paar gute Aussagen und ich bekam mein Autorenkürzel: lou.
Meine gute Laune verflog allerdings, als ich mit dem Chef nochmal über meine nicht gerade spektakuläre Aufgabe sprach. Ich schrieb alles mit, was er sagte und das irritierte ihn.
Ich erklärte das mit meinem schlechten Gedächtnis. Für mich ist es einfach hilfreich, Instruktionen und Anregungen zu kriegen, wenn ich von etwas keine Ahnung habe. Anscheinend hatte ich ihm zuvor den Eindruck vermittelt, ich hätte bereits journalistische Erfahrung und so war es nicht gerade einfach, diese Einschätzung zu korrigieren.
Ich kam mir ehrlich gesagt unkreativ und absolut ungeeignet in diesem Moment vor und ich zweifelte daran, in irgendeiner Weise für diesen Job geeignet zu sein.
Der Artikel, den ich über das gestrige Treffen schreiben sollte war nur ein wenig gegengecheckt worden. Er hat es nicht mal im Ansatz in die Zeitung geschafft und wurde bei der Zeitungsfassung auch nicht wirklich berücksichtigt.

Tag 3 – Mittwoch

An diesem Tag ging es wieder raus, zu einem Pferde-Gespann-Fahren Verein, der bald eine wichtige Meisterschaft ausrichtet. Ich sollte den Artikel alleine schreiben, was ich erst auf der Fahrt dorthin erfuhr. Anfangs erhielt ich Frage-mäßig etwas Unterstützung von dem Redakteure, mit dem ich bereits am Montag bei dem Termin gewesen war, doch als er gerufen wurde, weil es bei einer örtlichen Feuerwehr brannte, war ich erstmal auf mich gestellt. Ich gab mein Bestes, fragte drauf los, auch wenn ich keine Ahnung hatte, was ich fragen könnte und am Ende schrieb ich den Artikel größtenteils alleine. Klar, er wurde nochmal korrigiert und etwas gekürzt und die Formulierungen an eine Lokalzeitung angepasst, doch im Großen und Ganzen war es „mein erster eigener Artikel.“ Ein wenig Stolz war ich ja schon!
Den Nachmittag verbrachte ich damit, die Fragen für den nächsten Tag vorzubereiten, wenn  ich jemanden interviewen sollte, für die unspannende  Aufgabe.

Tag 4 – Donnerstag

Der Vormittag war ehrlich gesagt sterbenslangweilig. Wegen der Sommerpause sind nicht viele da, eine Büronachbarin war auch nicht da, weil sie nur 3 Tage die Woche arbeitet und sonst gab es auch nichts für mich zu tun. Ich las Zeitung, ging zur Konferenz und schlug etwas Zeit tot. Anschließend führte ich das Interview. Ich nahm meine Kamera und meinen Pocket Recorder mit. Ja, wenn man eigenes Equipment hat, wird erwartet, dass man das auch mitbringt.
Das Interview war zwar interessant und meine Gesprächspartnerin nett, doch am Ende stellte sich heraus, dass sie mir nicht helfen konnte und wir in eine Sackgasse zu laufen drohten. Mit wir meine ich die Redaktion.
Ich ging also ohne große Ergebnisse zurück. Den restlichen Nachmittag verbrachte ich also mit lesen von Zeitungsartikeln, meinem Buch und dem herumfragen, ob es etwas für mich zu tun gäbe. Nicht wirklich. Ich durfte eine Polizeimeldung über einen Einbruch schreiben.
Erst habe ich das wie in der Schule gemacht, mit dem klassischen Aufbau und so weiter. Dann meinte der Redakteur, der mir gegenüber sitzt, ich solle es mal spannender machen. Gesagt, getan.
Kurz darauf erschien eine andere Redakteurin und ließ mich alles wieder umändern. Es gab ein kleines Hin und Her zwischen den beiden und am Ende siegte die klassische, aber leider auch langweiligere Version.

Tag 5- Freitag

Heutige Highlights: Gegenlesen eines Artikels von dem Redakteur, mit dem ich bei den Terminen war und das beenden meines aktuellen Buches.
Sonstige Vorkommnisse, Erlebnisse oder erledigte Dinge: – – – – – – – – – – – – –

 

Fazit der ersten Woche:

– nettes Team

– man merkt einfach, dass es sich um eine Lokalzeitung handelt (Stil, Themenwahl, etc.)

– erst Überforderung zu Beginn, dann Unterforderung am Ende

 

 

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