„Die Leiden des Lehrers Wolfgang Fink“, so lautet der Untertitel des Buches, das nur auf Amazon  erhältlich ist. Herausgegeben wurde es von der Tochter, Olivia Kleinknecht, die man beispielsweise durch ihre Bücher Luna Park 1&2 kennt.
9.63€ kostete es als Taschenbuch, 99cent für den Kindle.

Um welche Leiden es genau geht? Um die eines Lehrers, der sich Tag für Tag einem zermürbenden System das aus Schweigen, Bürokratie und Entmachtung der Lehrer besteht, eines System das den Lehrer am Ende all seine Selbstachtung und Antriebskraft kosten kann und von Leuten entwickelt wurde, denen jeglicher Praxis- und Realitätsbezug fehlt stellen muss.
In ihrem Buch beschreibt die Autorin das Schulwesen vergangener Zeiten, hauptsächlich der sechziger und siebziger, einer Zeit, in der sich vieles im Umbruch befand, die Jugend frei sein wollte und selbstbestimmt zu leben versuchte, frei von den engen Moralvorstellungen der Eltern aber auch frei von der eigenen Geschichte die noch frisch im Gedächtnis der Erwachsenen verankert war aber unbegreiflich für die Jugend.
Erzählt wird die Geschichte des Lehrer Wolfgang Fink den seine Schüler und das ganze Bildungssystem nach und nach zermürben. Er leidet alleine und unverstanden, keinesfalls jedoch stumm. Im Gegenteil, sowohl sich selber, als auch seiner Frau und Freunden versucht er sein leiden begreiflich zu machen doch alle halten seine Darstellungen des Berufes für überspitzt. Burnout ist damals noch nicht bekannt und so erkennt niemand sein Leid an.

Sollte irgendein Leser dieses Buches je mit den Gedanken gespielt haben, selbst den Lehrerberuf zu ergreifen, so würde er es sicherlich nicht mehr nach dieser Lektüre wollen. In einer großen Palette von Grau und Schwarztönen wird die Tristesse des Lehrerberufes dargestellt, so glaubhaft, dass es einem zeitweise schwer fällt die auf einen überspringende Lustlosigkeit abzuschütteln um überhaupt noch weiter zu lesen.  Unterstützt wird diese Ödnis durch lange Absätze und ein absolutes Minimum an wörtlicher Rede.

Würde in der Buchinformation nicht explizit auf den autobiografischen Hintergrund der Autorin hingewiesen, so hätte auch ich die Schilderungen für übertrieben gehalten. Womöglich kann ich das aber nicht beurteilen, da es sich keinesfalls um unser heutiges System handelt, das beschrieben wird, sondern um eines, das bereits vor Jahren und Jahrzehnten galt und inzwischen deutlich reformiert wurde.

Insgesamt ist es erstaunlich, mit welcher Ausdauer sich der Protagonist seinem Selbstmitleid hingibt. Leider wird es irgendwann lang und es scheint sich vielmehr um eine wiederholende und ewig fortgeführte Klage zu handeln, die auf Dauer die Spannung raus nimmt. Es gibt immer mal wieder Schilderungen verschiedener Situationen die Herrn Fink in seiner Sicht auf die Schule bestärken die mal mehr, mal weniger bemerkbar über eine lange Zeitspanne hinweg erzählt werden. Das wäre an und für sich kein Problem, würde nicht irgendwann über ein durch die Handlung  erreichtes Ende hinaus erzählt werden, nach dem der Leser sich wundern muss, wie es denn sein kann, dass noch immer weiter erzählt wird.

Mein Fazit: Ein authentisch dröges Buch dem leider der aktuelle Bezug fehlt. Wer sich gern durch das Leid und die Beschwerden anderer liest, wird mit dem Buch seine Freuden haben, wer etwas fröhliches und spritziges mag könnte sich hingegen mit einem anderen Buch besser beraten fühlen.